Impulse

20.01.2019 / 4

Gebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. – 25. Januar 2019

Die Gebetswoche verbindet weltweit Konfessionen, Kirchen und Kulturen über alle Grenzen hinweg. In dieser Woche wird die lebenswichtige Bedeutung der Einheit hervorgehoben: Einheit wächst, wo für begangenes Unrecht Buße getan und gemeinsam der Gerechtigkeit „nachgejagt“ wird.

Zur Vertiefung der Reflexion über Einheit und Gerechtigkeit wurden die Themen der einzelnen Tage so ausgewählt, dass sie jeweils einen Aspekt des Ringens um Gerechtigkeit illustrieren.

Das Thema am 2.Tag lautet: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein
(Matthäus 5,37)

„Gewalt gegenüber unseren Mitmenschen äußert sich nicht nur in körperlichen Übergriffen und Raubüberfällen, sondern auch in Klatsch und boshaften Gerüchten. In den sozialen Medien erreichen Unwahrheiten in kürzester Zeit ein breites Publikum. Die Christen in Indonesien sind sich bewusst, dass manche religiöse Gruppen – auch Christen – Lügen und Vorurteile über andere religiöse Gruppen auf diesem Weg verbreiten. Menschen schrecken aus Angst und der Gefahr von Vergeltungsakten davor zurück, für die Wahrheit einzustehen. Wenn sie mit ungerechten und unwahren Behauptungen, die Angst verbreiten sollen, konfrontiert werden, schweigen sie lieber.

Jesus sagt: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“ Verlogenheit zerstört gute Beziehungen zwischen Einzelnen genauso wie zwischen Gruppen und auch zwischen Kirchen. Unehrlichkeit beschädigt die Einheit der Kirche. Der Text aus dem Epheserbrief (Epheser 4,22-25) erinnert uns, dass wir in Christus ein Leib sind. Er ruft uns zur Ehrlichkeit und zu gegenseitiger Verantwortung auf, damit unsere Gemeinschaft wachsen kann. Dann wird nicht der Geist des Bösen, sondern der Heilige Geist Gottes bei uns sein“.

 

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

13.01.2019 / 3

Ein Geschenk unter unserem Weihnachtsbaum war der Film „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“. Bereits im Kino hat mich dieser Film – oder besser gesagt dieser Papst – stark beeindruckt. Nun, auf DVD, kann man sich seine wichtigen Gedanken, Worte und Botschaften immer wieder anschauen und im beiliegenden Büchlein nachlesen.

In vielen Szenen zeigt der Film den enormen Mut des Papstes, wenn dieser beispielsweise vor der UNO die Umweltzerstörung und soziale Missstände anmahnt oder sich vor dem amerikanischen Kongress entschieden gegen Fremdenfeindlichkeit und die Waffenlobby wendet. Papst Franziskus beweist Mut und er macht Mut sich als Christ gegen den Strom zu stellen, wo es geboten ist.

Mir kommt dabei das Gedicht des Priesters und Schriftstellers Lothar Zenetti in den Sinn, das von Konstantin Wecker wunderschön vertont wurde:

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.

Was keiner sagt, das sagt heraus.

Was keiner denkt, das wagt zu denken.

Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen.

Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.

Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.

Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.

Wo alle spotten, spottet nicht.

Wo alle geizen, wagt zu schenken.

Wo alles dunkel ist, macht Licht.

 

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

06.01.2019 / 2

In diesen Tagen ziehen wieder unzählige Sternsinger durch die Häuser und bringen den Segen Gottes für das neue Jahr. Korrekter müssten wir sagen: sie sprechen uns diesen Segen neu zu! Denn gesegnet sind wir schon längst. Leider vergessen wir das nur allzu oft und verlieren uns in den Alltagssorgen. Der uralte Neujahrsbrauch (seit dem 16. Jahrhundert bezeugt) will uns unmittelbar daran erinnern, dass wir Beschenkte sind: wir sind beschenkt damit, dass wir leben dürfen. Wir sind in unseren Breiten beschenkt mit dem hohen Gut der Arbeit, die dem Menschen Würde verleiht. Wir sind beschenkt damit, von allem mehr als genug zur Verfügung zu haben und keinen ernstzunehmenden Mangel leiden zu müssen. Wir leben in dem Teil der Welt, der von den 80% des weltweiten Reichtums abbekommt, der nur 20% der Menschheit überhaupt zur Verfügung steht. Jeder von uns ist weitestgehend frei sein Leben zu gestalten, es bunt werden zu lassen, zu erschaffen, zu lieben, zu genießen, zu tanzen, zu lachen, zu trösten, krank zu sein und wieder zu gesunden. Wir leben in einer Matrix von Überfluss. Wir finden genügend Grund dankbar zu sein. Aber sehen wir das wirklich so? Sind wir nicht meistens damit beschäftigt den Mangel aufzuspüren und unsere Unzufriedenheit zu zelebrieren?

 

Sternsinger der Pfarreiengemeinschaft Neu-Ulm, unterwegs in Offenhausen / St. Albert

Mit dem Besuch der Sternsinger in unseren Häusern verbindet sich etwas Weiteres, sehr Wesentliches. Mit dem Zuspruch „Du bist gesegnet!“ ist uns gleichzeitig ans Herz gelegt: „Du sollst ein Segen sein!“ Genauso, wie die jungen Menschen durch die Häuser ziehend, zum Segen für andere werden, indem sie Spenden für Kinder weltweit sammeln und ihre Zeit in den Dienst stellen. Jeder ist eingeladen zur Mitsorge an einem gelingenden und fairen Miteinander weltweit zu tragen. Sicher helfen uns die Bilder der Not und des Mangels zu erkennen, wie schwerwiegend die Probleme weltweit sind. Da reicht es nicht auf andere zu verweisen und dabei auf Kosten anderer zu leben. Wir sind gerufen, weil wir gesegnete sind! Und schon die Menschen aus der Zeit der Bibel wussten: „Geben ist seliger als nehmen!“, weil darin das eigentliche anhaltende Glück verborgen liegt.

Ilona Thalhofer, Gemeindereferentin

23.12.2018 / 52 · 30.12.2018 / 1

Ein Stern geht auf … Eine Geschichte zur Weihnacht
Weihnachten ist voller Geschichten – aus der Bibel; aus der Kindheit, Familiengeschichten, …

Eine Geschichte finde ich spannend, sie kommt aus ferner Zukunft: Charles saß in seinem Raumschiff und raste mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit durch den interstellaren Raum. Er hatte sich freiwillig für dieses Unternehmen gemeldet, das mindestens sieben Jahre dauern sollte. Ziel war es, möglichst nahe an eine kosmische Katastrophe heranzukommen, um letzte Gewissheiten für die Entstehung der Welt zu bekommen. Seine einzigen Begleiter auf seinem Weg waren zwei Roboter.

Jetzt starrte er auf seine Monitore; die Daten, die er speicherte und zur Erde funkte, zeigten an, dass sie in unmittelbare Nähe des untergegangenen Sonnensystems geraten waren. Die Mission sollte zu ihrem Höhepunkt kommen.

Es war der 23. Dezember 2105; vor 30 Jahren hatte man Weihnachten abgeschafft, es gab dafür keinen Bedarf mehr. „Gott“, dachte Charles; auf seiner Reise war er keinem Gott begegnet, an unzähligen Sternen ist sein Raumschiff vorbeigerast, an einem Gott nicht. „Stille Nacht, heilige Nachte“, summte er und dachte fast ärgerlich an seine Kindheitserinnerungen; sein Vater hatte dieses Lied gesungen. „Gott soll ein Mensch geworden sein? Der Mensch ist alleine, so wie ich auf meinem Weg durch die Dunkelheit des Alls. Da ist kein Gott!“

Seine Gedanken wurden unterbrochen durch eine Reihe von Zahlen, die der Computer zu einer Zahl mit 25 Stellen zusammenfügte. Sie zeigte den Zeitpunkt an als der Stern, auf den das Raumschiff zuraste, am hellsten aufleuchtete, bevor er in sich zusammenstürzte und ein Planetensystem in sich verschlang. Die Augen von Charles sahen als erste das Datum dieser kosmischen Katastrophe, und es brauchte nur einen Tastendruck, um die fünfundzwanzigstellige Zahl auf Erdzeit umzurechnen.

Als Charles die berechnete Zeit sah, schlug er sich die Hände vors Gesicht: „6 v.u.Z.“ Unmöglich, dachte er, diese Zeitangabe war das Jahr der Geburt von Jesus in Betlehem. Zu dieser Zeit leuchtete die Supernova zwischen Jupiter, dem Königsstern, und Saturn, dem Stern Palästinas, auf und überstrahlte den Horizont, der Stern von Weihnachten. Ein Gott hatte eine kosmische Katastrophe inszeniert, um die Geburt seines Sohnes auf der Erde anzuzeigen. Charles fiel auf die Knie. „Gott, es gibt einen Gott. Mein Gott, es gibt dich.“

Alarmanzeigen leuchteten auf, das Raumschiff wurde immer schneller, angezogen durch die Schwerkraft des schwarzen Lochs, eine Umkehr war nicht mehr möglich. Aber die war für Charles jetzt nicht mehr nötig.
 

 
Welche Geschichten fallen uns ein, haben wir eine Lieblingsgeschichte zu Weihnachten?

„Ein Stern geht auf …“ (Num 24,17a), eine Verheißung aus dem alttestamentlichen Buch Numeri aus einer fernen Vergangenheit. Was konnten die Menschen damals mit diesen Worten anfangen? Wie war das mit dem Stern zu verstehen? Wann konnten sie mit der Erfüllung dieser Verheißung rechnen?

Und dann kam die Zeit, von der Menschen sagen und erzählen konnten: „Was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, … und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir euch.“ (1 Joh 1,1-3).

Erzählen nicht alle Geschichten – jedenfalls die allermeisten – , die wir an Weihnachten erzählen und hören genau davon!? Es gibt einen Gott! Aus seiner Hand kommt alles, das Sichtbare und Unsichtbare, alles Vorstellbare und Unvorstellbare, alles … Und weil er uns das nicht „nur“ in fernen und gewaltigen Zeichen zeigen wollte, kam er in unsere Welt. Der Allerhöchste wird zum Allerniedrigsten, zum Allernächsten, er wird als Mensch geboren!

Ich bin dankbar für diese seine Geschichte! So viele Menschen denken daran und feiern diese Geschichte, auch die, die gerade grausame, unmenschliche und harte Geschichten erleben müssen, Krieg, Armut, Hunger, Elend und Not, Einsamkeit … Und ich glaube, sie können es, weil sie in im menschgewordenen Gott Jesus Christus auch ihre Geschichte finden und einen Gott erleben, der in ihrem Leben nicht „nur“ da war, sondern ist!

Was ist unsere Geschichte?

 

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich wünschen Ihnen eine gesegnete Weihnacht!

Ihr Pfarrer Markus Mattes

16.12.2018 / 51

„Jetzt noch mal alle Kräfte sammeln und auf der letzten Etappe alles geben!“ Solche und ähnliche Anfeuerungs-, und Motivationssätze kennen wir in der Regel nur aus dem sportlichen Sektor. Aber auch in anderen Bereichen unseres Lebens kennen wir dieses Phänomen: Den sogenannten Endspurt. Egal ob in der Arbeitswelt, im Studium oder auch vielleicht beim Bau des eigenen Hauses erleben wir oft, gerade dann wenn es auf die sprichwörtliche Zielgerade zugeht, dass wir nochmals besondere Kräfte mobilisieren können, um dann das Ziel auch entsprechend erfolgreich zu absolvieren. Auch jetzt befinden wir uns auf einer letzten Wegetappe auf das Weihnachtsfest hin. Und hier ist es durchaus zulässig, dass wir vielleicht noch einmal einen Gang hoch schalten und uns besonders in der Vorbereitung engagieren. Dann jedenfalls, wenn wir das Ziel klar vor Augen haben und bei dessen Erreichen, sprich an Weihnachten selbst, wieder zu Stille und innerer Ruhe zurück kehren können.

Auch Maria und Josef befanden sich bei der Herbergssuche mehr oder weniger in der letzten Phase vor der Geburt von Jesu und man kann sich gut vorstellen, dass diese Tage und Stunden durchaus auch von Hektik und Stress geprägt waren. Gedanken wie „werden wir rechtzeitig eine Unterkunft finden?“ oder auch „was, wenn unterwegs plötzlich die Wehen einsetzen?“ dürften sicherlich auch bei der Heiligen Familie nicht zur allgemeinen Beruhigung beigetragen haben. Aber am Ende wurde ja dann alles gut und Gottes Sohn kam gesund und wohlbehalten zur Welt. Das Ziel ist erreicht, die Aufgabe bewältigt und nun ist die rechte Zeit für Erholung, Ruhe und schließlich auch der Dankbarkeit. Wenn diese Gefühle am Ende dominieren, dann sind erfahrungsgemäß die Strapazen davor sehr schnell vergessen. In unserer Zeit haben wir allerdings oft das Gefühl, dass wir irgendwie nie zum Ziel zu kommen scheinen. Und dann können wir sehr schnell in eine sich immer schneller drehende Spirale geraten, aus welcher wir immer schwerer herauskommen. Darum gilt: Immer ein Ziel deutlich vor Augen haben auf das man sich konkret zubewegen kann. Dann ist es auch zulässig und häufig auch nötig kurz vor dem Erreichen dessen, nochmals besonders auf das sprichwörtliche Gaspedal zu treten. Aber ein Umstand in diesem Zusammenhang dürfte selbst Menschen vertraut sein, welche sich eher nicht für den technischen Bereich interessieren: Ein Fahrzeug, welches immer und jederzeit mit Vollgas betrieben wird, hat eine wesentlich kürzere Halbwertszeit als ein ähnliches Modell, welches auch immer wieder in niedrigeren Geschwindigkeiten betrieben wird. Ganz ähnlich verhält es sich bei uns Menschen. Aus diesem Grund sollte gerade in diesen Tagen verstärkt der Grundsatz gelten: Nach besonderer Anstrengung und dem Erreichen des gewünschten Ziels, sollten wieder Ruhe und Erholung einkehren. Auch Dankbarkeit dafür, dass man die betreffende Aufgaben so gut bewältigt hat und sich jetzt glücklich am Ziel befindet.

Verfasser: Kaplan Bernd Udo Rochna

09.12.2018 / 50

In unserem letzten Urlaub kamen wir auf einer Wanderung in den Bergen zu einer Barbara-Kapelle. Beim Halt an diesem schönen Ort machten wir eine interessante Entdeckung: diese Kapelle ist das fast einzige Überbleibsel eines großen Magnesit-Bergwerks samt Verarbeitungsbetriebe auf 1700m Höhe. Hier arbeiteten zwischen 1920 und 1976 fast 400 Menschen. Etwa 40 Familien lebten auch hier hoch über dem Tal in einer Werkssiedlung mit Laden, Schule, Kantine, Arzt, Kegelbahn und Kino – und später eben auch einer eigenen Kapelle. Nach Ende des Betriebs wurde alles abgebaut und renaturiert. Nur eine Schautafel erinnert noch an das Werk.

Beeindruckt hat mich in der Kapelle ein Erinnerungsbuch. Liebevoll gestaltet erinnert es bis heute, 40 Jahre später, an die Arbeit und an die arbeitenden Menschen der damaligen Zeit. Den Frauen in der Kantine, der Lehrerin, manchen Bergarbeitern sind einzelne Seiten gewidmet mit Bildern. Es werden die Arbeitsbedingungen beschrieben, auch an Unglücksfälle wird erinnert. Der Abschied vom Arbeitsplatz, das Ende einer Tätigkeit, die Beendigung von beruflichen Freundschaften und vertrauten kollegialen Beziehungen – dies alles hat einen guten Platz der Erinnerung gefunden – in dieser Barbara-Kapelle.

In meiner Arbeit in der Betriebsseelsorge musste ich schon manche Betriebsschließung miterleben und die betroffenen Beschäftigten begleiten in ihrem Leid und ihrer Trauer über den Verlust eines Stücks Heimat, von menschlichen Beziehungen und eigenen Lebenschancen. An diese Betriebe und ihre Mitarbeiter/innen erinnert oft gar nichts mehr – außer gelegentlich noch einem Straßennamen.

Vielleicht täte in dieser ganz besonderen Form der Trauer gut, ebenfalls eine Kultur der Erinnerung zu entwickeln: Nicht um Wunden zu vertiefen, sondern für eine liebevolle, wohltuende und wertschätzende Erinnerung an all die Menschen, die sich vor uns und für uns in der Welt der Arbeit engagiert haben.

Könnte uns da Paulus nicht ein Vorbild sein, wenn er schreibt: „Ich danke meinem Gott jedes Mal, sooft ich eurer gedenke“ (Phil 1,3)

Martina Berndt-Hoffmann (Betriebsseelsorge Iller-Donau)

02.12.2018 / 49

Eigentlich sollte man meinen das Neue Testament beginnt mit der Geburt Jesu. Doch das Matthäusevangelium, das erste Buch des Neuen Testaments, stellt der Geburt Jesu dessen Stammbaum voran. Eine ellenlange Aneinanderreihung von Namen – 42 Generationen. (Mt 1,1-17) Zur damaligen Zeit gab es jedoch noch keine Standesämter, mit deren Hilfe man Ahnenforschung betreiben und Stammbäume erstellen konnte. Der Stammbaum Jesus, wie ihn Matthäus verfasst hat, ist also nicht historisch zu verstehen. Matthäus war es vielmehr wichtig gleich zu Beginn seines Evangeliums die besondere Bedeutung Jesu darzustellen und zu betonen: Jesus stammt vom großen König David ab und seine Wurzeln reichen sogar noch weiter zurück – bis zu Abraham, dem Stammvater und Urahn des jüdisch-christlichen Glaubens.

Mit seiner Namensliste will Matthäus aufzeigen, dass Gott eine lange Geschichte mit den Menschen hat, eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, mit Verfehlungen und Neuanfängen. Immer wieder geriet so Manches in Unordnung. Und das Ziel dieser Geschichte ist Jesus.
So endet der Stammbaum Jesu bei Josef und Maria. Und im Folgenden schildert Matthäus die Geschehnisse rund um die Geburt Jesu. Als einziger Evangelist erzählt er davon, dass ein Engel Josef beauftragt den Jungen „Immanuel“ (= „Gott ist mit uns“) zu nennen. Letztlich geben Maria und Josef ihrem Sohn den Namen Jesus, dessen Bedeutung, „Gott rettet“, sogar noch eine Steigerung darstellt.

Mit Jesus Christus kommt Gott selbst zur Welt – er der immer schon bei und mit den Menschen ist. Er kommt zum Heil der Menschen, um zu retten „was verloren ist“ (Lk 19,19). Daran möchte Matthäus von Anfang an keinen Zweifel aufkommen lassen.

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

25.11.2018 / 48

„Komm doch endlich zur Besinnung“, so wünschen wir uns das manchmal für Menschen, um die wir uns ehrliche und ernsthafte Sorgen machen. Vielleicht weil wir spüren, dass es uns gut tut, wenn der eigentliche Sinn für das Leben abhanden gekommen ist. Der Advent ist eine jährliche und ernstzunehmende Einladung an den Menschen, nach getaner Arbeit im Verlauf des Jahres, jetzt, in der dunklen Jahreszeit, wieder bei sich anzukommen und sich zu besinnen: Verläuft das eigene Leben noch in guten Bahnen oder ist es gar aus den Fugen geraten? Die dunkle Jahreszeit schafft dazu ein wunderbares Ambiente. Denn jetzt sind wir konfrontiert mit dem, was sich vielleicht unangenehm anfühlt: Begrenzte und mangelnde Sicht, Absterben der Natur, Kälte, Rückzug, Erkältung mit Bettruhe u.v.m.. Es ist eine jahrtausendealte Erfahrung der Menschheit, die sich in etlichen Texten der Bibel wiederfindet: Wo der Mensch den Dunkelheiten und Begrenzungen des Lebens ausweichen will und sich verliert in den Alltagsgeschäften, da wird er irgendwann kläglich scheitern und untergehen (z.B. Lk 12, 13ff). Wo er sich dem aber stellt, da überwindet er die Grenzen des irdischen und bricht durch zum wahren Menschsein. Genau in die dunkle und begrenzte Jahreszeit bricht die Geburt von Gott. Kein Wunder, denn damit zeigt er auf gigantische Weise, dass unsere Dunkelheiten und auch unsere begrenzten Sichtweisen eben nicht das letzte Wort haben!

Wir laden im Advent an jedem Abend ein zur Besinnung. In St. Albert zum Lebendigen Adventskalender. Dazu gibt es einen eigenen Flyer im Pfarrbrief. Und in St. Johann finden Sie vom 30. November bis 20. Dezember jeden Abend (außer montags) von 18 – 20 Uhr weit geöffnete Kirchentüren, die einladen zum Rückzug in die Kirche und zur Besinnung in wunderbarem Ambiente. Kommen Sie zur Oase im Advent.

18.11.2018 / 47

„Tausende von Menschen verlieren angesichts der Waldbrände in Kalifornien Ihre Wohnungen und Häuser.“ Solche und ähnliche Schlagzeilen sind immer wieder in unseren Medien zu finden und führen in der Regel bei uns Lesern zu einer gewissen Betroffenheit, auch wenn sie leider fast schon zur Regel geworden sind und wir uns irgendwie ja bereits scheinbar an Schreckensmeldungen jeglicher Art gewohnt haben. Aber gerade der Verlust der Wohnung, des Hauses und damit ja eigentlich der Heimat führt trotz aller Abgestumpftheit noch immer bei den meisten von uns zu Mitleid und einer gewissen Solidarität mit den Opfern. Dies könnte in jenem Umstand begründet liegen, nach welchem Heimat auch und vielleicht auch gerade für den modernen Menschen noch immer ein ganz wichtiger Begriff darstellt. Heimat bedeutet zunächst Verwurzelung und Identifikation. Sie alle kennen sicherlich die kleinen Trailer im Bayerischen Fernsehen, in welchen sich immer ein anderer Bewohner oder Bewohnerin aus einer bestimmten bayrischen Region kurz vorstellt und dann stets mit der Aussage endet: „…und da bin i dahoim“. Mit diesem abschließenden Statement soll zum Ausdruck gebracht werden, wie sehr sich der Dargestellte mit der eigenen Heimat identifiziert. Heimat bedeutet aber auch Schutz und Sicherheit. Jeder von uns kennt sicherlich das Gefühl, wie gut es tut, wenn man nach einem anstrengenden Tag nach Hause in die eigenen vier Wände kommt. Man fühlt sich geborgen und kann sich so geben, wie man wirklich ist. Dies könnte auch der Grund dafür sein, dass immer mehr Vertreter des politischen Lebens den Begriff der Heimat und damit verbunden, den Schutz dieser zu einem Thema gerade verstärkt zu Zeiten von Wahlkämpfen machen. Mit der Angst vor dem Verlust der eigenen Heimat wird somit auch leider manchmal eine polemische Stimmung angeheizt, da hier einfach zentrale Grundbedürfnisse von uns Menschen entscheidend tangiert werden. Aber was ist denn eigentlich jetzt genau Heimat? Handelt es sich dabei lediglich um einen geographischen Ort, an welchem man geboren wurde und aufgewachsen ist? Können dann Menschen, welche öfters den Wohnort wechseln müssen, dann überhaupt woanders eine neue Heimat finden? In diesem Zusammenhang habe ich einmal einen wunderbaren Ausspruch gelesen: „Heimat ist da, wo die Menschen sind, die man liebt.“ Unter diesen Gesichtspunkt betrachtet, weitet sich der Heimatbegriff in ganz entscheidendem Maße. Somit ist es gar nicht mehr so entscheidend, wo man sich befindet, sondern eher mit wem. Auf diese Weise war es dann auch möglich, dass beispielsweise die vielen tausend Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre alte Heimat verlassen mussten, in der Fremde eine neue Heimat finden konnten. Weil da Menschen waren, die ihnen eine innere Heimat gaben. Eine Heimat des Herzens sozusagen. Und Diese ist ganz unabhängig davon, an welchem Platz auf der Welt ich mich gerade befinde. Mit den richtigen Menschen kann man sich überall „heimisch“ fühlen.

Kaplan Bernd Udo Rochna

11.11.2018 / 46

Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross das trug ihn fort geschwind …“ jeder kennt dieses Lied seit Kindertagen, auch die, die mit Glaube und Kirche nichts am Hut haben.
Und was fällt uns ein zu Sankt Martin, was wissen wir von ihm?! Natürlich ist es diese Begebenheit vor einer Stadt, wo er als Soldat des röm. Heeres die Begegnung mit dem Obdachlosen hat und seinen Mantel mit ihm teilt; im nächtlichen Traum erkennt er Jesus in diesem Bettler; es folgt seine Taufe.
Im Mittelpunkt des Martinsfestes steht die Mantelteilung, und weil es so schön ist, uns anrührt und an diesem Tag meistens kalt ist, gibt’s anschließend noch einen Punsch und eine Martinsbrezel. Jeder bekommt eine, und wenn jeder eine bekommt, ist es schon vorbei mit dem Teilen.

Ist das Teilen den die einzige Botschaft dieses Menschen, und haben wir diesen Heiligen nicht reduziert auf das Teilen? Ist es überhaupt möglich, alles zu teilen und wollten wir das wirklich? Wer von uns würde tatsächlich die Schulden eines anderen mit ihm teilen wollen, eine Krankheit oder wirklich tiefgehende Probleme?

Schauen wir auf den ganzen Martin, nicht „nur“ ein bisschen Martin, nicht „nur“ die Begebenheit vor den Toren. Was im Leben dieses Menschen mächtig ist, ist nicht das Teilen, sondern seine Beziehung zu Christus: „Wie ein Schmied bei seiner Arbeit immer wieder den Hammer schwingt, so betete Martinus ohne Unterbrechung, auch wenn er scheinbar etwas anderes tat …“ (Suplicius Severus)

Es geht um den ganzen Martin! Dann wird aus dem Teilen mehr als ein frommes Spiel. Dann bekommen wir den Blick des Heiligen, der in jedem Notleidenden, den Ruf von Jesus vernahm, weil er in ihm Jesus selbst sah. Dann teilen wir – wenn überhaupt – nicht nur am Martinstag. Und wir erkennen die Not der Menschen, nicht nur der Fernen in Form von Spenden. Als Martin starb, so ist von Suplicius Severus überliefert, soll er hinter einer Säule in seinem Kloster den Teufel gesehen haben; und er soll ihm zugerufen haben: „An mir wirst du nichts finden, du Finsterer.“
„Sankt Martin, Sankt Martin, ritt durch Schnee und Wind, …“ Nicht nur ein bisschen Martin – ganz!

Pfarrer Markus Mattes

04.11.2018 / 45

Das Fest Allerheiligen und der Gedenktag Allerseelen lenken unseren Blick auf die Heiligen, die unsere Fürsprecher bei Gott sind und ein gutes Wort für uns einlegen, wenn wir sie in unseren Anliegen bitten. Sie sind unsere himmlischen Freundinnen und Freunde, deren Hilfe wir uns sicher sein können. Jeder hat einen Heiligen als Namenspatron, zu dem wir eine persönliche Beziehung aufbauen können. Unser Diözesanbischof Konrad Zdarsa sagte bei diesjährigem Ulrichsfest: „Die Heiligen… lenken unseren Blick auf den Himmel und zugleich darauf, was das für unseren  irdischen Alltag und unseren konkreten Umgang miteinander bedeutet“. „Heilige sind Menschen, durch die das Licht Gottes scheint.“ So sagt es ein Sprichwort. Durch ihr Leben haben die Heiligen ein ausdrucksstarkes Zeugnis gegeben von Gottes Liebe zu allen Menschen.

Papst Franziskus hat während einer seiner Audienzen ebenso ein paar Gedanken dazu geäußert: „In jedem Moment unseres Lebens stehe uns nicht nur Gottes Hand bei, wir erfahren auch die diskrete Gegenwart und die Hilfe der Heiligen. Wir hätten „eine Wolke von Zeugen“ um uns, wie der heilige Paulus im Hebräerbrief sagt. Ihre Anwesenheit schenke uns die Zuversicht, dass ein christliches Leben nicht ein unerreichbares Ideal sei. Daher „erbitten wir die Fürsprache der Heiligen“.

Die Heiligkeit sei das große Geschenk, das wir unseren Mitmenschen erweisen können. Der Herr gebe uns die Gnade, so fest an ihn zu glauben, dass wir für die Welt zu Abbildern Christi werden: zu Menschen, die keine Macht und Herrschaft ausübten, sondern nach Nächstenliebe und Brüderlichkeit strebten und auch die Last und die Mühen der Bedürftigen und Leidgeprüften mittragen: ohne solche Männer und Frauen „gäbe es in der Welt keine Hoffnung“.

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

28.10.2018 / 44

Nun ist sie wieder da, die dunkle Zeit. Mit dem letzten Oktoberwochenende kehrt die Winterzeit zurück, die Herbstnebel nehmen die Donauregion immer mehr in Beschlag und dann kommt zu Beginn des Novembers der Allerseelentag, an dem wir in besonderer Weise unserer Verstorbener gedenken.

Der Gang auf den Friedhof fällt vielen nicht leicht, weil der Verlust eines lieben Verstorbenen noch schmerzt oder weil Friedhöfe für sie einfach nur Orte der Trauer und des Todes sind.

Bei genauerem Hinsehen kann man jedoch feststellen, dass Friedhöfe auch Orte der Hoffnung sind – Orte der Hoffnung auf ewiges Leben bei Gott. Zahlreiche christliche Gräber zeugen davon durch die Inschriften und Symbole auf den Grabsteinen oder durch die Blumen, mit denen sie geschmückt sind. Blumen sind Zeichen des Lebens, genauso wie die Lichter, die auf den Gräbern leuchten. Sie wollen uns daran erinnern, dass Jesus die Dunkelheit des Todes besiegt und auch uns ewiges Leben beim Vater zugesagt hat.

Auf Südtiroler Friedhöfen wird diese Zuversicht auf ganz eindrucksvolle Weise zum Ausdruck gebracht. Am Abend des Allerseelentages zünden die Menschen auf den Gräbern ihrer Verstorbenen viele Kerzen an und tauchen damit den nächtlichen Friedhof in ein warmes Lichtermeer. Zumindest in dieser Nacht ist dort keine Spur von Unbehaglichkeit zu finden. Die Lichter wollen den Besuchern förmlich das Jesuswort ins Herz brennen: „Ich lebe weil auch ihr leben werdet.“ (Joh 14,19)

Ihr Diakon Andreas Thalhofer