Impulse

21.07.2019 / 30

In der vor uns liegenden Woche geht wieder ein Schuljahr zu Ende. Und der Beginn der Sommerferien setzt auch eine Zäsur im Alltag der Arbeitenden. In den nächsten Wochen dürfen die Meisten von uns loslassen, durchatmen und dem Leben einen anderen Rhythmus geben. Das ist wichtig, denn wir brauchen den Wechsel von Arbeit und Freizeit, von Schule und Ferien, von Anstrengung und Erholung.

Ruhe finden

Jesus weiß das. Deshalb lädt er ein: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28)
Jesus kennt unsere Mühen und Beschwernisse und er weiß auch um die Unruhe unseres Herzens und die Unruhe unserer Gedanken, die uns oft nicht zur Ruhe kommen lässt, auch wenn wir uns noch so sehr danach sehen.

Wir können leider nicht „auf Knopfdruck“ abschalten. Meist brauchen wir ein paar Tage um Abstand vom umtriebigen Alltag zu bekommen. Und wenn wir versuchen Erholung krampfhaft herbeizuführen, verkehrt sie sich schnell ins Gegenteil. Jesu Einladung bei ihm Ruhe zu finden macht deutlich, dass wir uns tiefe, erfüllte Ruhe nicht selbst geben können. Ruhe dürfen wir uns schenken lassen von ihm, der uns und unsere Herzen kennt und weiß, was wir wirklich zum Leben brauchen. In Jesu Nähe dürfen wir ausruhen. Denn vor ihm müssen wir nichts leisten, müssen wir uns nicht verstellen oder verbiegen sondern sind wir angenommen wie wir sind. Mit Jesus verbunden sein bedeutet, sich für ihn zu öffnen, ihn in sein Leben mit einzubeziehen, sich als Teil von Gottes Schöpfung zu verstehen. Seine Schöpfung ist gut – schlicht und ergreifend weil er sie von Anfang an als sehr gut empfand. (siehe Gen 1,31) Diese Zusage gilt jedem Menschen – Ihnen genauso wie mir. Wir dürfen uns von Gott als gut und angenommen wissen, und zwar nicht auf Grund unserer Taten und Leistungen. Das ist doch wahrlich beruhigend!

Diakon Andreas Thalhofer

14.07.2019 / 29

In diesen Wochen müssen wieder viele Menschen Abschied nehmen. Abschied nehmen die Schüler nach bestandenen Prüfungen von ihrer Schule und ihren Mitschülern, manche wechseln die Schule nach den Ferien, in Betrieben wechseln die Mitarbeiter, in den Einrichtungen gehen die Leiter, täglich beerdigen wir Menschen auf unseren Friedhöfen,…
Abschied tut oft weh …. und er verunsichert auch oft, weil Liebgewonnenes zurückgelassen werden muss und die Zukunft noch ungewiss ist. Abschied fordert heraus, denn Loslassen ist eine Kunst des Lebens.
Abschied hat aber auch etwas Befreiendes. Denn manche Last des Alltags fällt ab und hat das Potenzial zum Durchatmen.
Das Leben ist nicht dazu da im Alten zu verharren. Es ist sogar regelrecht auf Veränderung angelegt. Denken wir nur an Lot, der mit Abraham, ihren Frauen und der Sippe, aus seinem Land wegzieht. Gott befiehlt Lot beim Auszug aus Sodom sogar nur nach vorne, und nicht zurückzuschauen. Als seine Frau doch einen Blick zurückwagt erstarrt sie zur Salzsäule. Die Erzählung im Buch Genesis erzählt Wichtiges für unser Leben: Es ist notwendig, dass wir nach vorne schauen, nicht im Alten verharren, nicht festhalten wollen, denn sonst erstarren wir im Leben. Das heißt, wir entwickeln uns nicht weiter, erleben und erfahren nicht das, was uns Gott eigentlich schenken möchte: das Leben in Fülle.

Erfahrungen, Wege, Weitergehen, sich auf Neues einlassen und sich dem Neuen stellen, erfordert einerseits Mut, und gleichzeitig sagt Gott kontinuierlich zu, dass die Zukunft gesegnet sein wird und Angst keine Rolle spielen soll. Junge Menschen gehen meist noch sehr mutig in die Zukunft, sind offen, wollen ausprobieren, Neues erleben. Aber wie sieht es später aus? Wie flexibel bleiben wir beim Älterwerden? Immer wieder sagen mir Menschen ab vierzig, dass sie gerne etwas anderes machen würden, aber ihnen fehle der Mut zur Veränderung. Wozu halten wir fest am Gewohnten? Weil es Sicherheit bietet und weil die Liebe uns hält. Die Liebe zu dem, was wir erleben durften und was uns im Herzen reich gemacht hat. Eine Eigenschaft des Abschieds ist, dass wir vor allem das Positive dessen sehen was war und sich die negativen Dinge im Nebel verflüchtigen.

Der Reichtum bleibt, denn was im Herzen ist, geht nicht verloren. Aus diesem Reichtum heraus bauen wir unsere Zukunft. Aber es bleibt immer auch der Ruf nach vorne zu schauen, sich zu verändern und nach dem zu greifen, was vor uns liegt.
Abraham kam durch seinen Mut zu Neuem immer mehr hinein in die Lebensfülle. Das Leben wurde zum Abenteuer und er durfte Seiten an sich entdecken, die er bisher noch gar nicht kannte.
Kein Mensch ist mehr vor Langeweile gefeit als der Mensch, der biblisch lebt und sich in das Abenteuer Leben hineinwagt.
Jesus stellt den Menschen zeitlebens viele Fragen:
– Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert?
– Was suchst du?
– Willst du gesund werden?
– Warum habt ihr solche Angst?
Leider wohnt die Angst in so vielen Menschen. Sie hindert uns vorbildlich daran, mutig zu sein und zu vertrauen. Die Angst macht im Augenblick einen guten Job in dieser Welt. Das müssen wir uns bewusst machen. Und gleichzeitig bleibt uns die Zusage Gottes: „Sieh, ich zeige dir neues Land. Ich will sich segnen.“ (Genesis 1)

 

Ilona Thalhofer, Gemeindereferentin

07.07.2019 / 28

„Benzinstand gering!“ Mit dieser Anzeige werde ich bei meinem Auto darauf aufmerksam gemacht, dass besagter Kraftstoff, welcher für den Betrieb unserer Fahrzeuge nun mal unablässig ist, langsam zu Neige geht. Sicherlich kennen Sie in Ihren eigenen Pkws ähnliche Funktionen. Nun ist mir in letzter Zeit ein Umstand aufgefallen, welchem ich bisher noch keine große Beachtung geschenkt habe, welchen ich aber auch im übertragenen Sinne für äußerst interessant erachte.

Es handelt sich dabei um jene Tatsache, nach welcher ich zu Beginn eingangs genannter Meldung diese durch einen entsprechenden Tastendruck am Armaturenbrett quittieren kann und sie dann nicht mehr zu sehen ist. Ich bin quasi in der Lage, die Meldung „auszublenden“. Aber nur für eine bestimmte Zeit! Irgendwann, wenn ich die Anzeige einfach ständig ignoriere und keine Tankstelle aufsuche, beginnt diese zu blinken und lässt sich auch nicht mehr einfach „weg drücken“. Damit möchte mir mein Auto nun endgültig klar machen, dass ich jetzt unbedingt Kraftstoff nachfüllen sollte, da sonst ernsthaft die Gefahr besteht, auf der Strecke im wahrsten Sinne des Wortes liegen zu bleiben und die Fahrt damit abrupt zu Ende ist. Und hier sehe ich Parallelen zu manch einer Situation in unserem Alltagsleben. Geht es uns manchmal nicht auch so, dass wir gewisse Hinweise erhalten oder spüren und diese einfach ignorieren und nicht beachten? Dies kann in den unterschiedlichsten Situationen wie Beruf, Ehrenamt, Freizeit aber auch Familie geschehen. Vielleicht blickt da auch die Anzeige auf: „Benzinstand bzw. dann allgemein gesprochen: Energiestand gering!“ Aber anstatt uns zu bemühen, die nächste Energiequelle aufzusuchen oder uns die nötige Ruhepause zu gönnen, drücken wir im übertragenen Sinne derartige Meldungen einfach weg. Bis es eben nicht mehr geht und wir uns irgendwann kurz vor dem endgültigen Leerstand befinden. Dann können wir nur hoffen, dass es uns noch gelingt, die rettenden „Tankstellen“ des Lebens zu erreichen, bevor wir auf der Strecke liegen bleiben. Darum ist es immer ratsamer, Hinweise die unsere körperliche und geistige Verfassung betreffen eben nicht zu ignorieren und rechtzeitig zu befolgen. In diesem Sinne: Eine stets gute und unfallfreie Fahrt auf den Straßen des Lebens!

Kaplan Bernd Udo Rochna

30.06.2019 / 27

Der höchste Kirchturm der Welt steht natürlich in Ulm. Und auch für die Neu-Ulmer gehört er zum „Stadtbild“. Von Kindertagen an schauen wir auf den höchsten Kirchturm der Welt – 161,53 Meter.
Seit über 100 Jahren entsteht in Barcelona ein gewaltiges Bauwerk, die Kirche, die der Heiligen Familie geweiht ist. Ihre Vollendung besteht in der Fertigstellung ihres letzten von 18 Kirchtürmen, und der wird dann der höchste Kirchturm der Welt sein – 172,50 Meter. Dieser Turm wird Christus geweiht sein und alle anderen überragen.

Wenn Sie auf den höchsten Kirchturm der Welt schauen, egal ob er hier oder dann in Barcelona steht, woran denken Sie? Was Menschen fertig bringen, also Bewunderung und Stauen? Würden Sie, wenn nicht schon geschehen, hinaufsteigen wollen?

Der künftige höchste Kirchturm wird – bewusst vom Architekten so gewählt – nicht höher sein als die umliegenden Berge; das Werk des Menschen soll nicht höher werden als das Werk Gottes! Die anderen 17 Türme sind den Apostel, Evangelisten und Maria geweiht; sie alle schauen auf Jesus. Sie waren keine Katholiken, Evangelischen, Freikirchler, … Ich meine, sie wussten noch nicht mal, dass sie Christen sind. Sie fühlten sich angezogen von ihm. Und was/wer mich anzieht, setzt mich doch in Beziehung?!
Für mich ist jeder Kirchturm egal ob groß oder klein ein Fingerzeig Gottes. Und Gott zeigt sich in Jesus! Und wenn ich einen Kirchturm sehe, erinnert er mich an seine und meine Beziehung zu Jesus. Einen echt interessanten Gedanken habe ich neulich in einem Vortrag gehört (von einem Priester): Christen sind die großen Feinde der Kirche und des Jesus v. Nazareth. Und sie sind es dann, wenn sie beten (Vater unser, Litaneien, Rosenkränze etc.), damit sie nichts fürs/aus Evangelium tun müssen, also Jesus nicht tun und nicht in Beziehung leben.
Stellen sie sich vor, wir sind wie Kirchtürme von klein bis groß; und egal ob klein oder groß, wir sind Fingerzeige Gottes, Ausdruck unserer Beziehung zu IHM!? Da können wir eigentlich nie groß genug werden!

Seien Sie gesegnet

Ihr Pfarrer Markus Mattes

09.06., 16.06.2019 / 24, 25

Wenn es eine Sache gibt, die mich von Kindheit an bis heute fasziniert, dann ist es Feuer. Im Zeltlager war es einfach das Größte ein Lagerfeuer zu machen, über dem auch alle Mahlzeiten gekocht wurden, an das man bei der Nachtwache immer wieder zurückkehrte um sich zu wärmen und an dem man viele schöne Stunden bei Gesprächen, Liedern und Gitarrenmusik erlebte.

Feuer ist faszinierend und es hat eine ungeheure Kraft.
Es ist nützlich, spendet Wärme und Licht.
Ebenso kann es zerstören, verbrennen, verletzen, ja sogar töten.

Einerseits liebe ich Feuer, andererseits habe ich Respekt vor seiner Macht. Und deshalb liebe ich Pfingsten, das „christliche Feuerfest“. Nachdem Christus zu seinem Vater in den Himmel zurückgekehrt war, sandte er seinen Freundinnen und Freunden den Heiligen Geist. In der Gestalt von Flammen kam er vom Himmel herab. Feuerzungen, die loderten aber nichts zerstörten; Feuerzungen, die sich auf den Jüngern niederließen, sie aber nicht verletzten; Feuerzungen, die von den Menschen Besitz ergriffen, sie aber nicht verbrannten. Gottes Geist legte sich auf die Menschen und entzündete sie. So entflammt brechen sie aus ihrer Hoffnungslosigkeit und Zurückgezogenheit aus, weil der Geist Gottes sie verwandelt hat. Weil sie begeistert sind.

Das Pfingstwunder – in unserer technisierten und aufgeklärten Gesellschaft tun sich Viele schwer mit Wundern. Aber die Menschen damals erkannten in den Feuererscheinungen die Nähe Gottes.

Und Pfingsten ereignet sich auch heute noch – wenn Menschen wieder Hoffnung schöpfen, wenn sie aus ihren Schneckenhäusern herauskommen; wenn sie aufeinander zugehen und das Leben feiern. Überall dort ereignet sich Pfingsten, egal ob mit oder ohne Feuerzungen.

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

02.06.2019 / 23

Waren Sie vergangenen Sonntag auf dem Petrusplatz? Was haben Sie erlebt? Sicher könnten sie viele Geschichten erzählen von Begegnung, Feier, Dankbarkeit, Teilen, Austausch, Berührtsein. Ich wünsche Ihnen, dass Sie eine wohltuende Zeit erleben konnten, beim großen ökumenischen Kirchentag.

Es war ein einziger Tag der Geschichte schreibt. Nie zuvor gab es ein Treffen aller Christen der Stadt in dieser Form. Unzählige Helferinnen und Helfern haben dieses Glaubensfest möglich gemacht. Ihnen allen sei an dieser Stelle ein riesengroßer Dank ausgesprochen!

Die Christen aller Konfessionen dieser Stadt setzten damit ein Zeichen. Dieses Zeichen ist Pfingsten! Denn in der Pfingstpredigt heißt es doch, dass sie alle in unterschiedlichsten Sprachen und Weisen von Gott erzählten, mit dem Ergebnis, dass tausende zum Glauben kamen. Ist das neue Pfingsten nicht einfach, dass wir auf unsere ganz unterschiedlichen Arten und Weisen heute Kirche sind?
Kirche ist zuerst einmal keine Institution sondern der Leib von Jesus Christus. Wer sich mit Jesus Christus verbunden weiß, ist somit auch seine Kirche – egal welche Kirchenräume er oder sie sonntags besucht.

Es ist gut, dass der Geist Gottes durch offene Herzen Grenzen überwindet. Und es ist faszinierend wie reich, bunt und fürsorglich er sich ausdrückt durch seine Gläubigen aller Nationen und Konfessionen.
Wie sieht die neue Kirche der Zukunft aus? Ich habe den Traum, dass wir alle Grenzen hin zur Geschwisterlichkeit überwinden. Dabei sollten wir respektieren, dass Geschwister unterschiedlich sind in ihrer Art zu leben, auch in der Art ihren Glauben zu leben. Vielleicht sollten wir aber als Erstes einmal aufhören uns über Konfessionen zu definieren und einfach nur sagen: Ich gehöre zur Kirche Jesu Christi.

Ilona Thalhofer

26.05.2019 / 22

„Herr Kaplan, wann kommen jetzt endlich die Fürbitten?“ So die Frage eines Kommunionkindes während der Predigt in einer kürzlich stattgefundenen Erstkommunionfeier, welcher ich als Hauptzelebrant vorstehen durfte. Sie können sich die Reaktion der Gottesdienstbesucher vorstellen, welche sich irgendwo zwischen Überraschung, Amüsement und sichtbarer Erheiterung verorten lässt. Und auch ich war, ehrlich gestanden, für eine kurze Zeit völlig aus dem Konzept gebracht. Aber schon nach wenigen Augenblicken gewann ich die Erkenntnis, dass dieser Ausspruch genau in die Thematik passte, über welche sich in diesem Gottesdienst die Predigt handelte: Um das Bewahren der Kindheit im positiven Sinne und die daraus resultierenden Folgen.
An mehreren Stellen innerhalb des Neuen Testaments hören wir von Jesus die Aussage, nach welcher nur derjenige in das Himmelreich gelangen kann, der wieder wie ein Kind geworden ist. Was kann diese Anweisung nun im Konkreten bedeuten? Nun, ich denke, Jesus möchte damit nicht sagen, dass wir uns möglicherweise kindisch und damit vielleicht sogar verantwortungslos verhalten sollen. Vielmehr geht es ihm, meiner Ansicht nach, um die Ehrlichkeit, welche vor allem und gerade Kinder in einem ganz zentralen Maße auszeichnet. Und wenn wir uns an die eigene Kindheit zurück erinnern, dann fallen uns bestimmt verschiedene Situationen ein, in welchen wir kindlich, aber eben auch ehrlich gehandelt haben. Also ich habe, ehrlich gestanden, durch manche Aussage meine Eltern vielleicht in die ein oder andere peinliche Situation gebracht. Aber: Diese Aussagen entsprachen meist der Wahrheit und kamen wirklich aus der vollen Brust der Überzeugung. Als Kind überlegen wir nicht vorher, ob ein Satz oder eine Handlung jetzt gerade angebracht ist. Wir tun oder sagen es einfach. Wenn ein Kind fröhlich ist, dann lacht es und sei dies auch beispielsweise während eines Gottesdienstes. Diesbezüglich sei angemerkt: Der uns gerade als Kind meist eingetrichterte „Grundsatz“, nach welchem man in der Kirche nicht lacht, ist im Grunde eigentlich mehr als paradox. Wo, wenn nicht am Ort der wahren Freude, an welchem Gott uns bereits ein Teil seiner himmlischen Herrlichkeit schenken möchte. Oder wenn ein Kind traurig ist, dann zeigt es dies durch Weinen oder Jammern. Diese Offenheit wurde uns leider im Laufe des so genannten „Erwachsenwerdens“ regelrecht abgewöhnt. Wir trauen uns leider später viel zu selten, offen zu unseren Gefühlen zu stehen. Und genau diese Ehrlichkeit und Offenheit des Kindseins gilt es nun wieder verstärkt zurückzugewinnen, bzw. sich zu erhalten. Und genau dies wünsche ich jenem Erstkommunionkind, dass sich mutig zu Wort gemeldet hat und damit ehrlich seine Meinung kundgetan hat, nach welcher ich wohl schon zu lange gepredigt hätte und jetzt endlich zum Schluss kommen solle. Und genau dies werde ich jetzt auch im Rahmen dieses Artikels tun.

Kaplan Bernd Udo Rochna

 

Lange Nacht der Psalmen

Samstag, 25. Mai 2019, Johanneshaus
19 Uhr
Zum 150-jährigen Jubiläum unserer Stadt werden an diesem Abend alle 150 Psalmen vorgelesen und musikalisch begleitet. Dazwischen gibt es eine Einführung in die Theologie und das Verständnis der Psalmen.

Neu-Ulmer Kirchentag

Sucht den Frieden der Stadt.
Gemeinsamer Kirchentag der verschiedenen christlichen Kirchen
Sonntag, 26. Mai 2019, Petrusplatz
(bei schlechtem Wetter in der Petruskirche)

11 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst
Es gibt parallel ein Angebot für Kinder.

Ab 12 Uhr
Friedenstafel
Ein großes Mitbring-Picknick auf dem Petrusplatz. Jede/r bringt selbst Essen, Geschirr und Besteck mit. Wir teilen mit anderen und feiern Tischgemeinschaft und Frieden in unserer Stadt. (Bitte Abfall vermeiden, so gut es geht.)

Nachmittagsprogramm
Spielstraße für Kinder
Offenes Singen in der Petruskirche mit Gospelchor
Bibelarbeit und Gespräch
Kaffee und Kuchen (um Rührkuchen-Spenden wird gebeten)

15 Uhr
Zeichenhandlung des Danks an Gott

15.30 Uhr
Lobpreiskonzert
Es spielt die Immanuel Lobpreisband aus Ravensburg.
Eintritt frei

 

www.wir-leben-neu.de/veranstaltungskalender/veranstaltung/neu-ulmer-kirchentag

12.05.2019 / 20

Muttertag. Manche tun da ein wenig verlegen so, als ob sie mit diesem Tag nichts zu tun haben möchten. Mütter reagieren auf diesen Tag eher gelassen: Wenn er dazu verhilft, auch die übrigen 364 Tage des Jahres ein bisschen mehr zu Muttertagen zu machen, soll es recht sein. Wie immer man zu diesem Tag steht – eines fällt auf: Fast jeder würde sich schämen, wenn er nicht irgendein Lob auf die Mutter, ein Danke für sie übrig hätte.

Wir danken deshalb allen mütterlichen Frauen: Zuhause in der Familie oder alleinstehend, den Frauen für ihren mütterlichen Dienst an alten, kranken, behinderten Mitmenschen. Ich füge dem Danke noch ein Wort des Dichters Franz Grillparzer (1791-1872) hinzu: „Weil Gott nicht überall sein konnte, darum schuf er die Mütter.“ – Klingt vielleicht schmeichelhaft übertrieben. Dennoch schwingt hier etwas mit, was Gott und mütterliche Frauen gemeinsam haben: Die Sorge für die ihren, immer zuerst an die andern denken, in der Nähe sein, Geborgenheit schenken, ermutigen – aber auch verzichten, loslassen können. Haltungen, die auch den Männern gut anstehen. Nur dass wir Frauen dies zu erproben mehr Gelegenheit und den längeren Atem zu haben scheinen. Für Gottes Zuwendung zum Menschen sagen wir „Barmherzigkeit“. Das hebräische Wort für „Barmherzigkeit“ heißt ursprünglich „Mutterschoß“ – aus mütterlicher Liebe kommende Sorge und Güte. Ganz in diesem ursprünglichen Sinn verkündigt und lebt Jesus seine Botschaft von Gott. Wenn er davon spricht, grenzenlos gütig zu sein, den Nächsten voraussetzungslos zu akzeptieren, ihm bedingungslos zu vergeben – dann verkündigt Jesus einen Gott mit mütterlichen Zügen. So wie Jesus bei seinen Jüngern, können auch Mütter nicht auf ewig bei ihren Kindern bleiben. Sie müssen sie in die Selbständigkeit entlassen. Aber die Liebe, die sie ihren Kindern gegeben haben, die ist ein bleibender Beistand für ihr ganzes Leben.

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

05.05.2019 / 19

Am heutigen und an den beiden folgenden Sonntagen feiern insgesamt 81 Kinder unserer Pfarreiengemeinschaft Erstkommunion. Im schulischen Religionsunterricht, in Weggottesdiensten der einzelnen Gemeinden und in Familienkatechesen wurden die Kinder auf diesen großen Tag vorbereitet, an dem sie zum ersten Mal Jesus in der Gestalt der Hostie in sich aufnehmen. 

Dies lässt sich mit dem Verstand allein nicht begreifen – weder als Kind noch als Erwachsener. Es ist und bleibt ein Geheimnis unseres Glaubens. Letzte Fragen werden bleiben. Fragen, wie sie folgende Kurzgeschichte aufgreift:

„Zu einem Priester kam ein Mann und fragte: „Wie ist es möglich, dass aus Brot und Wein Fleisch und Blut Christi werden?“ 

Der Priester antwortete: „Wenn schon dein Körper die Nahrung, die du zu dir nimmst, in Fleisch und Blut umsetzen, verwandeln kann, warum soll Gott nicht auch das andere vermögen?“

Der Mann gab sich nicht geschlagen: „Wie kann denn in einer so kleinen Hostie der ganze Christus zugegen sein?“ 

Der Priester gab zur Antwort: „Eine Landschaft, die vor dir liegt, ist so groß und dein Auge doch so klein. Und doch ist das Bild der großen Landschaft in deinem Auge. Warum soll es dann nicht möglich sein, dass in der kleinen Brotgestalt der ganze Christus zugegen ist?“

Noch eine dritte Frage stellte der andere: „Wie kann derselbe Christus gleichzeitig in allen euren Kirchen zugegen sein?“ 

Da nahm der Priester einen Spiegel und ließ ihn hineinschauen. Dann warf er den Spiegel zu Boden und sagte: „Auch in jedem einzelnen Stückchen kannst du dein ganzes Bild jetzt gleichzeitig sehen!““

(nach Peter Eismann)

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

28.04.2019 / 18

Mit diesen Worten beginnt ein Liedtext Martin Luthers. Er greift dabei einen Choral auf, der aus der Zeit um das Jahr 750 stammt (Media vita in morte sumus – so sein lateinischer Text)

Luther und der frühere Textschreiber sprechen eine zutiefst menschliche Erfahrung an: Auch wenn wir gerade mitten im Leben stehen, die Erfahrung von Sterben und Tod ist uns nahe und begleitet uns. Sicher war diese Erfahrung im Mittelalter oft den Menschen noch näher als heute – sei es durch hohe Kindersterblichkeit und durch Seuchen wie die Pest.

Aber auch heute erleben wir tagtäglich Krankheit und Tod. Oft wollen wir dies nicht wahrhaben, ja, wir täuschen uns vor, dass die Medizin in Kombination mit moderner Technik Krankheiten und Tod beherrschbar machen. Und trotzdem erleben wir Unfälle, Naturkatastrophen, plötzlichen Herztod oder langes Leiden, aber auch im übertragenen Sinn das Sterben von Lebensentwürfen, das Scheitern von Plänen oder Beziehungen.

Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben: um diese Lebenserfahrungen wissen die biblischen Texte, die wir in der Zeit vor Ostern hören. Die Psalmen und biblischen Klagelieder bringen sie eindringlich zur Sprache.

Als Christen dürfen wir über diese Erfahrung hinaus hoffen: Diese Hoffnung heißt Ostern. Ostern dreht den obigen Satz um: Mitten im Tod sind wir vom Leben umgeben! Dies macht Mut, unseren Alltag mit offenen Augen und Ohren wahrzunehmen und zu entdecken: wo entdecke ich das Leben, das uns umgibt? Noch besser ist es, dies gemeinsam zu tun, sich gegenseitig dazu ermutigen: „Ach frag mich nach der Auferstehung, ach hör nicht auf mich zu fragen“ (aus einem Gedicht von Dorothee Sölle)

Martina Berndt-Hoffmann

Betriebsseelsorge Iller-Donau

14./21.04.2019 / 16/17

Vor kurzem durfte ich wieder einmal außerhalb der Grenzen der eigenen Pfarreiengemeinschaft eine Trauung halten. Während ich mich in der Sakristei auf die Liturgie einstimmte, erzählte mir der dort tätige Mesner von einem für ihn sehr einprägsamen und besonderen Erlebnis. So fand vor einigen Wochen in der betreffenden Kirche eine Heilige Messe statt, welche hauptsächlich von Gläubigen aus dem rumänischen Sprachraum besucht wurde. Im Rahmen dieses Gottesdienstes kam es unter anderem auch zu der Verehrung einer besonderen Kreuzreliquie, welche von Seiten der Besucher selbst mitgebracht wurde. In diesem Zusammenhang berichtete mir nun der Mesner, dass dies wohl mit einer solchen Begeisterung geschah, wie es für unsere deutschen Verhältnisse schon fast unvorstellbar wäre. Da wurden unter anderem die Handykameras gezückt und in einer Weise Erinnerungsbilder geschossen, wie wir dies vielleicht von Begegnungen mit irgendwelchen Größen aus dem Showgeschäft kennen. Wenn ich von solch ehrlichen Formen der Gottesverehrung höre, fällt mir ein Wort des Theologen und Märtyrers Dietrich Bonhoeffer ein, der sinngemäß sagte, dass Jesus nicht auferstanden ist, dass wir dieses Geschehen begriffen, sondern uns von diesem mitreisen lassen müssten. Und darum geht es meiner Ansicht genau an Ostern! Über die Theologie der Auferstehung gibt es unzählige Abhandlungen, bei welchen es sich jedoch lediglich vielleicht um Versuche der Annäherung an dieses unfassbar große Geschenk Gottes an uns Menschen handeln kann. Sämtliche Unternehmungen und Anstrengen mit dem Ziel, das Ostergeheimnis mit dem Verstand rationell zu erfassen, müssen zwangsläufig scheitern, weil dieses Mysterium unseren begrenzten Geist um ein Unendliches übersteigt. Aber mit dem Herzen können wir die Begeisterung sehr wohl aufnehmen und auch ausdrücken. Und wenn wir einmal an unsere eigenen Lebenserfahrungen denken so müssen wir doch zugeben, dass wahre und echte Freude doch meist ganz spontan aus dem Herzen kommt. Wenn wir beispielsweise eine ganz freudige Nachricht erhalten, reagieren wir doch meist mit spontaner Begeisterung, ohne dabei sofort zu versuchen, die Bedeutung dieser Aussage genau zu überdenken und mit Hilfe unseres Verstandes zu erfassen. Und in dieser Beziehung können wir uns auch ruhig ein Beispiel an der rumänischen Glaubensgruppe nehmen, welche diese echte und ungefilterte Freude sichtbar zum Ausdruck bringen konnte. Lassen wir uns daher von Ostern einfach „nur“…mitreisen!

Kaplan Bernd Udo Rochna