Impulse

17.11.2019 / 47

Nun ist es also amtlich – die USA steigen auch offiziell aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Wen wundert’s? Schließlich leugnet der US-Präsident, dessen Land hinter China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen ist, beharrlich den Klimawandel.
Mit dieser Meinung steht er leider nicht allein. Auch hierzulande reden noch genügend Menschen die negativen Auswirkungen unseres verschwenderischen Lebensstils auf das Weltklima gering. Von einer ernsthaften flächendeckenden „Sorge um das gemeinsame Haus“, wie Papst Franziskus sie in seiner zweiten Enzyklika „Laudato si“ fordert, sind wir auch in Europa noch weit entfernt.

Bild: Bernhard Schweßinger in Pfarrbriefservice.de

Dies zeigen allein schon die unterschiedlichen Reaktionen – vornehmlich von Erwachsenen – auf jenes sechzehnjährige schwedische Mädchen, das regelmäßig tausende Jugendliche in zahlreichen Ländern auf die Straßen bringt, um für den Klimaschutz einzustehen. Greta Thunberg gebrauchte sogar die gleichen Bilder wie Papst Franziskus, als sie im vergangenen September beim UN-Klimagipfel davon sprach, dass „unser Haus brennt“.

Doch leider antworten noch viel zu viele auf diese Tatsache,
„… dass sie viel zu jung sei, um erwachsenen Feuerwehrleuten zu sagen, was sie zu tun haben.
… dass es gar nicht ihre Idee war, um Hilfe zu rufen, sondern dass ihr das jemand eingeflüstert haben muss.
… dass das schon komisch sei, dass sie da mitten am Nachmittag um Hilfe ruft. Müsste sie zu der Zeit nicht in der Schule sein?
… dass sie übertreibt. Nur weil der erste Stock brennt, heißt das ja noch lange nicht, dass das ganze Haus brennen wird.
… dass sie normal reden soll. Wenn sie schreit und weint, wird sie eh niemand ernst nehmen.
… dass sie besser selbst Lösungen vorschlagen soll, wie sie das Feuer löschen kann, statt nach der Feuerwehr zu rufen.“
(von David Berry, aus dem Französischen übersetzt von Elena Konstantinidis)

Bereits im Jahr 2015 – lange vor dem öffentlichen Auftreten Greta Thunbergs – kritisierte Papst Franziskus am Ende des ersten Kapitels seiner Enzyklika genau diese Art von Reaktionen aufs Schärfste. Die Politik bezichtigt er der „Unterwerfung unter die Technologie und des Finanzwesens“. Doch auch die Bevölkerung ruft der Papst auf aufzustehen und aktiv zu handeln. Zwar erkenne man wohl, dass das ökologische Empfinden steige, dass sich jedoch schädliche Konsumgewohnheiten nicht änderten, sondern sogar noch schlimmer würden.

Papst Franziskus möchte in seinem von Politik und Umweltverbänden hochgeachteten Schreiben durchaus nicht nur Missstände anprangern, sondern bedankt sich ausdrücklich bei denen, „die mit Nachdruck darum ringen, die dramatischen Folgen der Umweltzerstörung im Leben der Ärmsten der Welt zu lösen“. Sein Anliegen ist es „die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen“. Seine Enzyklika will helfen die „Dringlichkeit und die Schönheit der Herausforderung zu

Diakon Andreas Thalhofer

03.11.2019 / 45

November – ein Jahr geht zu Ende, ein Frühling, ein Sommer sind vorbei, der Herbst zeigt deutlich seine Spuren, der Winter steht vor der Tür. Abgeerntet die Felder, entlaubt die Bäume, Rückzug und Sterben kennzeichnet die Natur in dieser Zeit. Der Herbst ist eine Zeit, in der die Menschen früher vieles für den Winter eingelagert haben, in der auch manche Tiere ihre Wintervorräte anlegen, eine Zeit aber auch, in der das Loslassen ein Thema wird, das Reifen und Welken, das Ernten und Vergehen.

 

Der November beginnt mit der Erinnerung an unsere Verstorbenen, manchmal mit noch frischen Wunden, oft mit einer leisen Melancholie, meist mit Dank. Der Volkstrauertag passt in diese herbstliche Stimmung mit seinen Nebeltagen, ebenso für die evangelischen Christen der Totensonntag. Es ist eine nachdenkliche Zeit, in der wir Fragen nachgehen: Was bleibt über den Tod hinaus? Was hält uns weiterhin innerlich miteinander verbunden? Bleibt uns im Herbst des Lebens nur die Zufriedenheit, wirklich gelebt zu haben und so auch in Frieden gehen zu können?
Antwort erhalten wir Sonntag für Sonntag, wenn wir mit dem auferstandenen Christus das Leben feiern, das Gott für uns bereithält. Die Liebe, die uns zu Beginn unseres Lebens gewollt hat, trägt auch im Sterben. Dem Herbst des Vergehens und dem Winter des Todes folgt ein ewiger Frühling. Die Schönheit des Herbstes mit dem Farbenrausch der bunten Blätter und dem Reichtum der Früchte lässt uns etwas von dem ahnen, was uns erwartet.

 

27.10.2019 / 44

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie oft wir das Wort „Herz“ in unserer Sprache, in unseren Redewendungen verwenden?

Etwas auf dem Herzen haben
Sich etwas zu Herzen nehmen
Das Herz wird mir schwer
Ich gebe meinem Herzen einen Stoß
Das Herz schlägt mir bis zum Hals
Ich schütte jemandem mein Herz aus
Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube
Ich trage das Herz auf der Zunge
Ich prüfe etwas auf Herz und Nieren
Mich trifft etwas ins Herz
Ich habe das Herz am rechten Fleck
Da wo mein Herz ist, dabin ich zuhause….

Ich kann mir viel vornehmen, aber oftmals setze ich nur um,
was mir wirklich am Herzen liegt.
In Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, die sich in Betriebsräten, Personalräten oder Mitarbeitervertretungen engagieren, erlebe ich immer wieder, wie sehr ihnen ihre Arbeit am Herzen liegt. Nach dem Warum gefragt, höre ich viele Antworten: Mir liegt am Herzen …

für Kolleginnen und Kollegen da zu sein – oder –
Arbeit so mitzugestalten, dass es gute Arbeit ist – oder –
etwas im Betrieb zu bewegen und positiv voranzubringen – oder –
mit meinem (arbeits-)rechtlichen Wissen zu einem guten Betriebsklima beizutragen.

Was liegt mir besonders am Herzen in meinem Leben, in meiner Arbeit oder in meinem Ehrenamt? Es tut mir gut, ab und zu inne zu halten und mir Zeit für diese Frage zu nehmen. Vielleicht gibt es auch eine Bibelstelle oder ein Gebet, die mir dabei weiterhelfen ….

Was liegt mir wirklich am Herzen? Eine Frage, die mir hilft, mich nicht in den vielfältigen Terminen und Alltagsanforderungen zu verlieren.

Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge

20.10.2019 / 43

Aufbruch und Neubeginn

Aufbrechen. Etwas Neues anpacken. Einen Neustart wagen. Irgendwann kommen sie, die Punkte im Leben, an denen wir diesen Schritt gehen müssen. Sei es weil ihn die Situation oder die äußeren Umstände nötig machen oder auch, weil man ganz bewusst etwas Neues angehen und gestalten möchte.

Es gibt die großen Auf- und Umbrüche des Lebens, die Wegmarken, an denen wir weitreichende Entscheidungen treffen müssen. Und es gibt die eher unspektakulären Aufbrüche, die wir nahezu jeden Tag tun, die deshalb jedoch nicht weniger bedeutsam sind. Es beginnt schon mit dem allmorgendlichen Aufbruch aus dem Bett und der damit verbundenen Frage, wie ich den neuen Tag gestalten will – zum eigenen Wohl und zum Wohl meiner Mitmenschen. Und da sind die täglichen Aufbrüche und Neustarts aus den unterschiedlichsten Situationen: nach einem Konflikt, nach Zeiten der Unruhe oder der Antriebslosigkeit, nach Phasen des Abwägens und Überlegens, …

Bei all den Unsicherheiten, die Aufbrüche und Neuanfänge mit sich bringen, dürfen wir uns begleitet, gehalten und geführt wissen von Gott, den schon Abraham als den Gott des Aufbruchs erlebte.

Gott des Aufbruchs, segne mich,
wenn ich dein Rufen vernehme,
wenn deine Stimme lockt,
wenn dein Geist mich bewegt zu Aufbruch und Neubeginn.
Gott des Aufbruchs, leuchte auf meinem Weg,
wenn die Ratlosigkeit mich fesselt,
wenn ich fremdes Land betrete,
wenn ich neue Schritte wage auf meiner Reise nach innen.
Gott des Aufbruchs, sei mit mir unterwegs
zu mir selbst,
zu den Menschen, zu dir.
(Aurelia Spendel)

Diakon Andreas Thalhofer

13.10.2019 / 42

Der Oktober wird mit dem Erntedankfest eröffnet. Natürlich steht im Vordergrund der Dank, ganz frei von politischen Auseinandersetzungen. Dennoch können wir in unserer Zeit nicht mehr ernsthaft Erntedank feiern, ohne uns die Frage zu stellen, was Erntedank in Zeiten des Klimawandels und des Artenschwundes bedeutet. Auch der Erntedanksonntag war begleitet von Kundgebungen der Bewegung „Fridays for future“, und im Nachgang des Erntedankfestes hören wir von Aktionen der Gruppe „Extinction rebellion“ in Berlin. Die junge Generation sorgt sich um die Welt, in der sie leben wird.

Erntedank in Zeiten des Klimawandels

Was hat das alles mit Erntedank zu tun, was mit christlicher Frömmigkeit?
Viele in unseren Breiten mögen glauben oder wollen glauben, dass der Klimawandel uns nicht weh tun wird. Viele Autofahrer stört es vielleicht nicht, dass ihre Autos kaum noch mit zerquetschten Insekten verschmutzt sind. Vielen ist es vielleicht auch gleichgültig, dass die Population an Vögeln zunehmend dünner wird. Wir diskutieren vielleicht auch darüber, ob die Methoden des Protests angemessen sind. Wir können aber nicht mehr die Augen davor verschließen, dass es um Gottes Schöpfung nicht besonders gut bestellt ist. Das ist eine Herausforderung gerade auch für uns Christen, schließlich bekennen wir uns Sonntag für Sonntag zu dem Gott, der die Schöpfung sehr gut gemacht hat.
Zweifellos bildet das Gebet ein wichtiges Element im Herzen des Glaubens, nicht weniger aber ein Handeln in Liebe. Wir leben aus der Quelle der Eucharistie, aber nicht um uns dann selbst zu genügen, sondern für diese Welt zum Brot des Lebens zu werden. Deshalb liegen uns nicht nur die zukünftigen Generationen von Menschen am Herzen, sondern auch die anderen Geschöpfe. Diese sind nicht nur zu unserer Verfügung da, sondern haben auch einen Wert in sich selbst. Der Auftrag des Schöpfers an uns besteht nicht darin, dass wir rücksichtslos unserer Bequemlichkeit und unserer Gier nach mehr an Haben folgen. Der grandiose Reichtum der Erde ist uns nur geliehen, anvertraut, um davon zu leben, aber auch dieses Geschenk zu bewahren.
Wir können uns als Christen nicht auf eine weltfremde Frömmigkeit berufen, als ginge uns all das, was um uns herum geschieht nichts an. Unser Lebensstil steht ebenso zu Debatte wie der unserer nichtchristlichen Mitbürger. das gleiche gilt für unsere Konsumgewohnheiten, unsere exzessive Nutzung der Autos, die Gedankenlosigkeit, mit der wir Billig-Flieger nutzen und vieles mehr. Christliche Frömmigkeit nimmt in unseren Tagen auch die Schöpfung in den Blick.

Kaplan Andreas Schmid

06.10.2019 / 41

Vor kurzem durfte ich wieder einmal einer lebhaft geführten Diskussion beiwohnen, bei welcher die zentrale Frage behandelt wurde, warum immer weniger Gläubige den Gottesdienst besuchen und warum unsere Kirchen dadurch immer leerer werden? Neben den bekannten Argumenten wie Zölibat und dessen Aufhebung bis hin zur Zulassung von Frauen für Weiheämter wurde auch jene Ansicht geäußert, nach welcher der Grund für die eben angesprochene Misere in dem Umstand zu finden sei, dass es den Menschen vor allem bei uns hier in Deutschland einfach zu gut ginge. Wer materiell bestens abgesichert ist, brauche eben auch keinen Herrgott mehr.
Diese Meinung stieß bei den übrigen Diskussionsteilnehmern nach einigem hin und her mehrheitlich auf breite Zustimmung. Und in der Tat klingt sie ja auch auf den ersten Blick durchwegs plausibel und nachvollziehbar. Bestärkend wirkt in diesem Zusammenhang dann auch noch jenes Argument, dass die Menschen zu früheren Zeiten, in welchen noch kein so ausgeprägter Wohlstand geherrscht habe, doch viel mehr die Gotteshäuser aufgesucht hätten. Hier darf jedoch gleich einmal angemerkt werden, dass die Gründe für den Besuch der Heiligen Messe früher häufig nicht primär in einer tiefen Gottesbeziehung lagen, sondern eher im gesellschaftlichen Druck seitens der sozialen Umwelt zu finden sind. Aber natürlich wird es auch damals wie auch übrigens heute ganz viele Menschen geben, welche gerade in Notzeiten um göttlichen Beistand bitten und dies ist ja auch mehr wie legitim und zulässig. Nach einer der wohl zentralsten Aussage unseres christlichen Glaubens betreffend, handelt es sich ja bei Gott um einen liebenden und damit auch helfenden Vater. Trotzdem möchte ich das anfangs zitierte Argument, welches den einzigen Grund für eine schwindende Gottesbeziehung in materiellem Wohlstand begründet sieht, durchaus kritisch bewerten. In diesem Zusammenhang sei doch zunächst die Frage erlaubt, ob es den Menschen in unserer Zeit wirklich ganzheitlich besser geht? Meiner Auffassung nach gehört zu einem guten Wohlbefinden vor allem auch der Zustand der Zufriedenheit und des inneren Gleichgewichts. Und dies ist doch wohl bei vielen unserer Zeitgenossen eher nicht der Fall. Wie viele Menschen gerade in unserem Land vermitteln durch ihre Lebensweise den Eindruck von ständiger Hektik und Getriebenheit? Und dann kann doch wohl nicht von einem ganzheitlichen Wohlbefinden gesprochen werden. Hier müsse man dann im Umkehrschluss wohl eher davon ausgehen, dass diese Menschen sprichwörtlich und gefühlt wohl gar keine Zeit für Gott zu haben scheinen. Könnte der permanente Zeitdruck, welchem wir uns ja meistens selbst aussetzen, der wahre Grund dafür sein, dass die liturgischen Angebote immer weniger wahrgenommen werden? Ein Mensch, welcher wirklich mit sich im Reinen ist und welchem es demnach im eigentlichen Verständnis gut geht, müsste doch gerade sehr verstärkt darauf achten, dass er sich immer wieder auch die nötigen Ruhepausen in körperlicher, aber auch vor allem geistiger Hinsicht zukommen lässt. Und wo findet man diese Erholung wohl besser als in der direkten Hinwendung zu Gott in den unterschiedlichsten Formen, welche unser Glaube bietet? Somit komme ich zu folgenden Schluss: Wenn es allen wirklich im wahren Sinne gut geht, dann wären unsere Kirchen auch…gut gefüllt.

Pfarradministrator Bernd Udo Rochna

29.09.2019 / 40

Der Abstand zwischen Arm und Reich ist in unserer Zeit oft groß. In einem Gleichnis beschreibt Jesus die tiefe Kluft zwischen Armen und Reichen (Lk 16,19-31). Dabei müsste der Reiche nur die Augen öffnen. Aber er sieht nur sich selber, sein bequemes Luxusleben. Sein Reichtum hat ihn blind gemacht. Wir leben im 21. Jahrhundert, in einem reichen Land. Trotzdem nimmt die Armut in unserem Land zu. Mit seinem Gleichnis stellt Jesus an jeden von uns die ganz persönliche Frage: Wer ist Lazarus vor deiner eigenen Tür? Wer bräuchte dringend deine Aufmerksamkeit? Merkst du, wen du übersiehst? Spürst du den Hunger des anderen, vielleicht nicht nach Brot, aber nach Liebe und Zuwendung?

Lazarus stirbt. Und bald danach auch der Reiche. Der Tod macht keinen Unterschied. Arme und Reiche behandelt er gleich. Gegen den Tod hilft kein großes Vermögen. Und wie ist es nach dem Tod? Jesus gibt vor allem eine Botschaft an die Lebenden: „Drüben“ herrscht Gerechtigkeit. Im Leben nach dem Tod ist alles spiegelverkehrt. Der Reiche hat im Leben schon alles gehabt, der Arme nichts. Jetzt wird Lazarus getröstet „in Abrahams Schoß“, der Reiche leidet jetzt die Qualen, die er zu Lebzeiten bei Lazarus nicht gesehen hat.
 
Jesus spricht eine klare Warnung aus: Wer hier nicht barmherzig ist, wird dort keine Barmherzigkeit erfahren. Wer hier hartherzig ist, muss drüben mit einem harten Gericht rechnen. Ich glaube nicht, dass Jesus das als etwas Automatisches sieht: dem Reichen geht es drüben schlecht, dem Armen gut. Seine Botschaft ist vielmehr: Es kommt darauf an, was du jetzt tust, wie du dich heute verhältst. Es gibt Reiche, die ein großes Herz haben. Es gibt Arme, die ihr Herz verschließen. Dein ewiges Los entscheidet sich nicht erst drüben. Es liegt heute in deiner Hand. Schau vor deine Tür! Wer ist dein Lazarus?

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

22.09.2019 / 39

Angesichts des Hochmuts, mit dem Staatschefs wie Donald Trump oder Boris Johnson ihre Interessen verfolgen oder auch ein Joachim Löw auf Kritik reagiert, wird derzeit in den Medien vielfach der Ruf nach mehr Demut laut.
So hat plötzlich ein alter Begriff Hochkonjunktur. Gab doch bereits der Apostel Petrus den Rat: „Begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt Stolzen entgegen, Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ (1 Petr 5,5)

Lange Zeit schien Demut in unserer modernen und aufgeklärten Welt überflüssig und aus der Mode gekommen. Demut wurde als Unterwürfigkeit, Unterordnung und Kriecherei missverstanden und wirkt bis heute in machen Köpfen nach. Diese Missdeutung hat jedoch nichts mit dem Demutsbegriff zu tun, von dem Petrus schreibt oder den auch Jesus im Sinn hat, wenn er über sich selbst sagt: „Ich bin gütig und von Herzen demütig.“ (Mt 11,29)

Der Psychologe und Theologe Siegfried Rudolf Dunde definiert Demut als „eine Gesinnung, bei der sich der Mensch als Mensch erkenne“. Demnach ist Demut etwas für Mutige, denn es erfordert Mut die eigenen Grenzen zu erkennen und anzuerkennen. Demütig sein bedeutet nicht sich klein zu machen, sondern ganz im Gegenteil setzt es innere Freiheit und Größe voraus.

Sich als Mensch mit all seiner Begrenztheit anzunehmen klingt einfacher als es ist. Demut will geübt sein. Im Laufe unseres Lebens erhalten wir dazu zahlreiche Gelegenheiten, z.B. beim Erleben des Wunders der Geburt und der Tragik des Todes, in der Erfahrung von Naturgewalten, beim Ertragen von Krankheiten, in Momenten des Scheiterns oder des Staunens, …

Demütig zu sein erniedrigt den Menschen nicht, sondern hebt ihn über sich hinaus.

Diakon Andreas Thalhofer

15.09.2019 / 38

Die Deutschen sind gelassener geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie der R+V Versicherung über die größten Ängste der Deutschen für dieses Jahr. Der Angst-Index liegt auf einem tieferen Niveau als in den letzten 25 Jahren. Wie aussagekräftig diese Untersuchung letztlich ist, kann ich nicht sagen. Die Sorgen allerdings, die dabei zur Sprache kommen, sind durchaus bedenkenswert, seien es die Fragen bezüglich der Integration von Flüchtlingen, seien es die Probleme am Wohnungsmarkt oder die Angst vor den Folgen des Klimawandels. Auch die Angst vor Krankheit, vor dem Zerbrechen der Partnerschaft oder vor Schadstoffen in den Lebensmitteln haben ganz konkrete Ursachen.

In manchen dieser Besorgnisse kann auch ich mich wiederfinden. Ich möchte aber nicht auf einzelne Ängste eingehen, sondern einfach die Angst, die Sorge um das, was zukünftig geschehen könnte, in den Blick nehmen. Dabei liegt mir nicht daran, unsere Ängste klein zu reden oder nicht ernst zu nehmen. Was bei einem ungebremsten Klimawandel passieren kann, deutet sich jetzt schon an, und es ist keine Kleinigkeit. Wie schmal der Grat zwischen Gesundheit und Krankheit ist, das erlebe ich fast täglich am Krankenbett, und dass der Tod unserem Leben eine Grenze setzt, gehört unaufhebbar zu unserem Dasein.

Denke ich an die Zukunft, dann kann ich auch als gläubiger Christ bei vielen Bedrohungen nicht einfach sagen: Gott wird das schon richten. Es ist an uns zu handeln – auch im Bewusstsein, dass die Erde und andere Menschen uns anvertraut sind. Es bringt nicht weiter, sich vor dem Klimawandel zu fürchten, aber nichts zu ändern. Es bringt nicht weiter, auf die Bedenken über die Zahl der Flüchtlinge nur damit zu antworten, die Grenzen möglichst hermetisch zu verschließen. Das Bemühen um Integration der Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat bleibt uns nicht erspart. Es bringt nicht weiter, Krankheit oder einen frühen Tod zu fürchten, aber weiter einen krank machenden Lebensstil zu pflegen.

Doch für mich verändert sich im Glauben etwas Grundlegendes. Weil ich darauf vertraue, dass Gott alle Wege mit mir geht, gebe ich der Angst keine Macht über mich. Weil ich darauf vertraue, dass Gott mich nie allein lässt, kann ich gelassen in die Zukunft blicken, auch wenn am Horizont drohende Wolken heraufziehen. Weil ich darauf vertraue, dass Gott mir auch in Herausforderungen beisteht, kann ich die notwendigen Schritte tun. Es mag mir Manches nicht erspart bleiben, ich kann es annehmen mit Gott an meiner Seite, und nie kann ich tiefer fallen als in Gottes Hände, auch nicht im Tod.

Was die Zukunft im Einzelnen bringen mag, kann ich nicht wissen, allenfalls mehr oder weniger begründet spekulieren. Ganz sicher bin ich mir jedoch in einem Punkt: Gott wird alles zu einem guten Ende führen. Alle Wege führen vielleicht nicht nach Rom, aber bestimmt in das Reich Gottes. Warum die Deutschen in diesem Jahr gelassener sind, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich deshalb gelassen bleiben kann, weil ich mich bei Gott gut aufgehoben weiß.

Kaplan Andreas Schmid

08.09.2019 / 37

Das Verschwinden der Mittelschicht – auch innerhalb der Kirche?

Immer wieder können wir es den Medien entnehmen, dass gerade hier bei uns in Deutschland aber auch in anderen westlichen Industrienationen allmählich die sog. „Mittelschicht“ langsam aber sicher zu verschwinden drohe. Solchen Aussagen nach gibt es demnach bald keine gesellschaftliche Schicht mehr, welche über ein mittleres Einkommen verfüge und welche über Jahrzehntelang diese und andere, überwiegend westlich geprägte Gesellschaften zentral geprägt haben. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder betont, wie deutlich die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderginge. Und gewisse Anzeichen dafür sind zweifelsohne auch bei uns ganz deutlich zu beobachten. In vielen Städten wird beispielsweise bereits über eine zulässige Höchstgrenze für Wohnungsmieten nachgedacht, um den immer höher steigenden Mietkosten entgegenwirken zu können. Man hört häufig von Familien mit Kindern, welche keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden, obwohl oft hier beide Elternteile einer erwerbstätigen Arbeit nachgehen. Gleichzeitig nimmt aber auch jener Personenkreis zu, welcher über sehr hohe Einkommen verfügt. Dass derartige Entwicklungen eine Gesellschaft wirklich auseinanderbrechen lassen können, wird niemand ernsthaft in Frage stellen, da doch vor allem der soziale Friede und die soziale Gerechtigkeit diesbezüglich als starke und beständige „Bindemittel“ wirken können. Ohne diese gesellschaftlichen Zustände des Gleichgewichts werden sich die extremen Positionen eher feindselig und abweisend gegenüberstehen, als sich gegenseitig solidarisch und verständig zu zeigen. In Folge dessen sind dann meist Sätze zu hören wie „Das sind die Anderen, zu denen wir nicht gehören…“ oder auch drastischer „Schuld sind die…, dass es uns so schlecht geht…“. Mich persönlich ängstigt zudem, dass nach meinem persönlichen Empfinden in der Kirche zur Zeit ähnliche Prozesse zu beobachten sind. Auch hier scheint die „Mittelschicht“ langsam aber sicher zu verschwinden. In diesem Zusammenhang bedeutet dies, dass immer mehr Gläubige sich eher extremen Positionen in Bezug auf Fragen des persönlichen Glaubens anschließen, anstatt sich als eine Gesamtkirche zu verstehen. Diese unterschiedlichen „Parteien“ zeichnen sich dann meist auch dadurch aus, dass sie den eigenen Weg als den einzig Gültigen und Seligmachenden erachten und andere Haltungen kategorisch ablehnen und leider diesen auch oft jegliche Existenzberechtigung absprechen. Dies führt dann ebenfalls dazu, dass auch die Kirche sich immer mehr auseinanderentwickelt und so auch von außen nicht mehr als eine zusammengehörende Einheit wahrgenommen wird. Aber gerade ein geschlossenes Auftreten nach außen und damit ein gemeinschaftliches Hineinwirken in unsere soziale Gesellschaft wäre doch gerade in diesen Tagen von so großer Wichtigkeit. Aus diesem Grund versuche ich persönlich stets nach meinem Primizspruch zu verfahren, welcher aus dem neunten Kapitel des Markusevangelium stammt und da lautet: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Damit möchte meiner Interpretation nach Jesus seinen Jüngern bewusst machen, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Gott zu loben und den Glauben zu leben. Diese Vielfalt macht doch unseren christlichen Glauben so lebendig und vielseitig. Und viele verschiedene Wege, welche parallel nebeneinander in die gleiche Richtung führen, bilden eine breite und damit sehr stabile Gesamtstraße, welche von außen auch als eine solche wahrgenommen wird. Wenn es dagegen nur einen einzigen Weg gäbe, würde es doch bald sehr eng werden…

Kaplan Bernd Udo Rochna

18.08.-01.09.2019 / 34-36

 

Es war in den zurückliegenden Wochen oft zu sehen dieses Bild, dieser Fußabdruck eines Menschen auf dem Mond. Vor 50 Jahren betrat der erste Mensch den Mond. Das hat Spuren hinterlassen und bis heute neue Wege geöffnet! Ich habe die vielen interessanten Sendungen im Fernsehen angeschaut, es bewegt und fasziniert mich, was da geschehen ist. Und vor allem, dieser Fußabdruck ist immer noch zu sehen, und auch in tausenden von Jahren wird er immer noch dort sein. Und es kann gut sein, dass dann auch schon auf anderen Planeten unsere Fußabdrücke zu sehen sein werden?!

Fußabdrücke – woran denken wir bei diesem Wort …? Wenn wir uns Zeit nehmen für dieses Wort, werden wir über Schuhe hinausdenken: Menschen, Erlebnisse, Ereignisse, Bilder, Begegnungen, Beziehungen, Gespräche, Worte, … Wir denken an so Vieles, was in unserem Leben bisher Abdrücke hinterlassen hat. Oder, was im Leben anderer durch uns einen Abdruck (Spuren) erfahren und hinterlassen hat.

Ich denke noch einmal – und werde es immer wieder tun – an unzählige Abdrücke, die ich in meinen 17 Jahren als Pfarrer in Neu-Ulm gemacht durch und mit anderen erfahren habe, die ich jetzt in mir trage und auch in anderen hinterlassen werde … Wir werden immer wieder geneigt sein, diese Abdrücke in uns benennen zu wollen, sie einzuteilen und zu bewerten … Das darf auch sein; es gehört zu uns und lässt uns unser Leben weitergehen.
Ein Stelle aus dem Lukasevangelium ist mir so lebensnah und aktuell; da geht’s eigentlich um nichts anderes als um Fußabrücke: „Am Morgen des ersten Tages der Woche waren zwei Jünger auf dem Weg … und sie sprachen miteinander …“ (Lk 24,13f). Und da sind diese unzähligen Fußabdrücke des ANDEREN, die das Leben und die Welt der Beiden begleitet haben und werden …
„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Schritt für die Menschen“, hat Niel Armstrong zu seinem ersten Fußabdruck auf dem Mond gesagt.
Gott hat es unternommen in Jesus, seine Abdrücke in meinem, in unserem Leben zu hinterlassen: Ein kleiner Schritt für Gott, aber ein gewaltiger Schritt für mich, für Sie …

Gott segne Sie reich und hinterlasse in Ihnen seine Spuren!

Ihr Markus Mattes

Pfarrer Markus Mattes

28.07.-11.08.2019 / 31-33

 

Endlich sind sie da. Egal ob Sie urlaubsreif sind oder nicht. Die großen Ferien stellen eine lang ersehnte Atempause im Jahresverlauf dar. Macht auch Gott Ferien? Das scheint für viele eine seltsame Vorstellung zu sein. Dabei lesen wir schon in der Schöpfungsgeschichte, dass Gott, nachdem er die Welt und alles, was darauf lebt, in sechs Tagen geschaffen hatte, am siebten Tag ruhte. Ferien, Genießen und Ausruhen gehören also ganz zum Plan Gottes. Warum sollte er dann nicht selbst einmal frei machen?
Ja, aber was wird dann aus uns?, wird so mancher vielleicht fragen. Was wird aus den Millionen Kindern, die an Hunger leiden, den vielen Naturkatastrophen und den vielen Kriegen? Wird, wenn Gott frei macht, die Welt nicht noch viel mehr im Chaos versinken?
Eine jüdische Geschichte erzählt dazu Folgendes: Gott wird, als er am siebten Tage, nach der Erschaffung aller Dinge, frei machen will, heftig von den Engeln kritisiert. „Alles hast du geschaffen, Licht, Himmel, Erde, Pflanzen, Tiere und den Menschen, aber du bist doch noch nicht fertig. Es gibt doch noch so viel zu tun. Und jetzt willst du einen Tag frei machen. Das geht doch nicht.“ Darauf schließt Gott mit Adam und Eva einen Vertrag. Wir sind jetzt Partner und gemeinsam verantwortlich für die Welt und alles drum und dran. Dann macht er einen Tag frei. Den Engeln sagt er, wendet euch an den Menschen, wenn es Probleme gibt.
Mir gefällt diese kleine Geschichte. Mir gefällt es, dass wir, Gott und der Mensch, Partner sind und uns gemeinsam, um die Anliegen der Welt kümmern. Dann kann auch Gott einmal Ferien machen.
Ich wünsche Ihnen im Namen des ganzen Pastoralteams eine erholsame Urlaubszeit.

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss