Impulse

22.09.2019 / 39

Angesichts des Hochmuts, mit dem Staatschefs wie Donald Trump oder Boris Johnson ihre Interessen verfolgen oder auch ein Joachim Löw auf Kritik reagiert, wird derzeit in den Medien vielfach der Ruf nach mehr Demut laut.
So hat plötzlich ein alter Begriff Hochkonjunktur. Gab doch bereits der Apostel Petrus den Rat: „Begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt Stolzen entgegen, Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ (1 Petr 5,5)

Lange Zeit schien Demut in unserer modernen und aufgeklärten Welt überflüssig und aus der Mode gekommen. Demut wurde als Unterwürfigkeit, Unterordnung und Kriecherei missverstanden und wirkt bis heute in machen Köpfen nach. Diese Missdeutung hat jedoch nichts mit dem Demutsbegriff zu tun, von dem Petrus schreibt oder den auch Jesus im Sinn hat, wenn er über sich selbst sagt: „Ich bin gütig und von Herzen demütig.“ (Mt 11,29)

Der Psychologe und Theologe Siegfried Rudolf Dunde definiert Demut als „eine Gesinnung, bei der sich der Mensch als Mensch erkenne“. Demnach ist Demut etwas für Mutige, denn es erfordert Mut die eigenen Grenzen zu erkennen und anzuerkennen. Demütig sein bedeutet nicht sich klein zu machen, sondern ganz im Gegenteil setzt es innere Freiheit und Größe voraus.

Sich als Mensch mit all seiner Begrenztheit anzunehmen klingt einfacher als es ist. Demut will geübt sein. Im Laufe unseres Lebens erhalten wir dazu zahlreiche Gelegenheiten, z.B. beim Erleben des Wunders der Geburt und der Tragik des Todes, in der Erfahrung von Naturgewalten, beim Ertragen von Krankheiten, in Momenten des Scheiterns oder des Staunens, …

Demütig zu sein erniedrigt den Menschen nicht, sondern hebt ihn über sich hinaus.

Diakon Andreas Thalhofer

15.09.2019 / 38

Die Deutschen sind gelassener geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie der R+V Versicherung über die größten Ängste der Deutschen für dieses Jahr. Der Angst-Index liegt auf einem tieferen Niveau als in den letzten 25 Jahren. Wie aussagekräftig diese Untersuchung letztlich ist, kann ich nicht sagen. Die Sorgen allerdings, die dabei zur Sprache kommen, sind durchaus bedenkenswert, seien es die Fragen bezüglich der Integration von Flüchtlingen, seien es die Probleme am Wohnungsmarkt oder die Angst vor den Folgen des Klimawandels. Auch die Angst vor Krankheit, vor dem Zerbrechen der Partnerschaft oder vor Schadstoffen in den Lebensmitteln haben ganz konkrete Ursachen.

In manchen dieser Besorgnisse kann auch ich mich wiederfinden. Ich möchte aber nicht auf einzelne Ängste eingehen, sondern einfach die Angst, die Sorge um das, was zukünftig geschehen könnte, in den Blick nehmen. Dabei liegt mir nicht daran, unsere Ängste klein zu reden oder nicht ernst zu nehmen. Was bei einem ungebremsten Klimawandel passieren kann, deutet sich jetzt schon an, und es ist keine Kleinigkeit. Wie schmal der Grat zwischen Gesundheit und Krankheit ist, das erlebe ich fast täglich am Krankenbett, und dass der Tod unserem Leben eine Grenze setzt, gehört unaufhebbar zu unserem Dasein.

Denke ich an die Zukunft, dann kann ich auch als gläubiger Christ bei vielen Bedrohungen nicht einfach sagen: Gott wird das schon richten. Es ist an uns zu handeln – auch im Bewusstsein, dass die Erde und andere Menschen uns anvertraut sind. Es bringt nicht weiter, sich vor dem Klimawandel zu fürchten, aber nichts zu ändern. Es bringt nicht weiter, auf die Bedenken über die Zahl der Flüchtlinge nur damit zu antworten, die Grenzen möglichst hermetisch zu verschließen. Das Bemühen um Integration der Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat bleibt uns nicht erspart. Es bringt nicht weiter, Krankheit oder einen frühen Tod zu fürchten, aber weiter einen krank machenden Lebensstil zu pflegen.

Doch für mich verändert sich im Glauben etwas Grundlegendes. Weil ich darauf vertraue, dass Gott alle Wege mit mir geht, gebe ich der Angst keine Macht über mich. Weil ich darauf vertraue, dass Gott mich nie allein lässt, kann ich gelassen in die Zukunft blicken, auch wenn am Horizont drohende Wolken heraufziehen. Weil ich darauf vertraue, dass Gott mir auch in Herausforderungen beisteht, kann ich die notwendigen Schritte tun. Es mag mir Manches nicht erspart bleiben, ich kann es annehmen mit Gott an meiner Seite, und nie kann ich tiefer fallen als in Gottes Hände, auch nicht im Tod.

Was die Zukunft im Einzelnen bringen mag, kann ich nicht wissen, allenfalls mehr oder weniger begründet spekulieren. Ganz sicher bin ich mir jedoch in einem Punkt: Gott wird alles zu einem guten Ende führen. Alle Wege führen vielleicht nicht nach Rom, aber bestimmt in das Reich Gottes. Warum die Deutschen in diesem Jahr gelassener sind, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich deshalb gelassen bleiben kann, weil ich mich bei Gott gut aufgehoben weiß.

Kaplan Andreas Schmid

08.09.2019 / 37

Das Verschwinden der Mittelschicht – auch innerhalb der Kirche?

Immer wieder können wir es den Medien entnehmen, dass gerade hier bei uns in Deutschland aber auch in anderen westlichen Industrienationen allmählich die sog. „Mittelschicht“ langsam aber sicher zu verschwinden drohe. Solchen Aussagen nach gibt es demnach bald keine gesellschaftliche Schicht mehr, welche über ein mittleres Einkommen verfüge und welche über Jahrzehntelang diese und andere, überwiegend westlich geprägte Gesellschaften zentral geprägt haben. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder betont, wie deutlich die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderginge. Und gewisse Anzeichen dafür sind zweifelsohne auch bei uns ganz deutlich zu beobachten. In vielen Städten wird beispielsweise bereits über eine zulässige Höchstgrenze für Wohnungsmieten nachgedacht, um den immer höher steigenden Mietkosten entgegenwirken zu können. Man hört häufig von Familien mit Kindern, welche keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden, obwohl oft hier beide Elternteile einer erwerbstätigen Arbeit nachgehen. Gleichzeitig nimmt aber auch jener Personenkreis zu, welcher über sehr hohe Einkommen verfügt. Dass derartige Entwicklungen eine Gesellschaft wirklich auseinanderbrechen lassen können, wird niemand ernsthaft in Frage stellen, da doch vor allem der soziale Friede und die soziale Gerechtigkeit diesbezüglich als starke und beständige „Bindemittel“ wirken können. Ohne diese gesellschaftlichen Zustände des Gleichgewichts werden sich die extremen Positionen eher feindselig und abweisend gegenüberstehen, als sich gegenseitig solidarisch und verständig zu zeigen. In Folge dessen sind dann meist Sätze zu hören wie „Das sind die Anderen, zu denen wir nicht gehören…“ oder auch drastischer „Schuld sind die…, dass es uns so schlecht geht…“. Mich persönlich ängstigt zudem, dass nach meinem persönlichen Empfinden in der Kirche zur Zeit ähnliche Prozesse zu beobachten sind. Auch hier scheint die „Mittelschicht“ langsam aber sicher zu verschwinden. In diesem Zusammenhang bedeutet dies, dass immer mehr Gläubige sich eher extremen Positionen in Bezug auf Fragen des persönlichen Glaubens anschließen, anstatt sich als eine Gesamtkirche zu verstehen. Diese unterschiedlichen „Parteien“ zeichnen sich dann meist auch dadurch aus, dass sie den eigenen Weg als den einzig Gültigen und Seligmachenden erachten und andere Haltungen kategorisch ablehnen und leider diesen auch oft jegliche Existenzberechtigung absprechen. Dies führt dann ebenfalls dazu, dass auch die Kirche sich immer mehr auseinanderentwickelt und so auch von außen nicht mehr als eine zusammengehörende Einheit wahrgenommen wird. Aber gerade ein geschlossenes Auftreten nach außen und damit ein gemeinschaftliches Hineinwirken in unsere soziale Gesellschaft wäre doch gerade in diesen Tagen von so großer Wichtigkeit. Aus diesem Grund versuche ich persönlich stets nach meinem Primizspruch zu verfahren, welcher aus dem neunten Kapitel des Markusevangelium stammt und da lautet: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Damit möchte meiner Interpretation nach Jesus seinen Jüngern bewusst machen, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Gott zu loben und den Glauben zu leben. Diese Vielfalt macht doch unseren christlichen Glauben so lebendig und vielseitig. Und viele verschiedene Wege, welche parallel nebeneinander in die gleiche Richtung führen, bilden eine breite und damit sehr stabile Gesamtstraße, welche von außen auch als eine solche wahrgenommen wird. Wenn es dagegen nur einen einzigen Weg gäbe, würde es doch bald sehr eng werden…

Kaplan Bernd Udo Rochna

18.08.-01.09.2019 / 34-36

 

Es war in den zurückliegenden Wochen oft zu sehen dieses Bild, dieser Fußabdruck eines Menschen auf dem Mond. Vor 50 Jahren betrat der erste Mensch den Mond. Das hat Spuren hinterlassen und bis heute neue Wege geöffnet! Ich habe die vielen interessanten Sendungen im Fernsehen angeschaut, es bewegt und fasziniert mich, was da geschehen ist. Und vor allem, dieser Fußabdruck ist immer noch zu sehen, und auch in tausenden von Jahren wird er immer noch dort sein. Und es kann gut sein, dass dann auch schon auf anderen Planeten unsere Fußabdrücke zu sehen sein werden?!

Fußabdrücke – woran denken wir bei diesem Wort …? Wenn wir uns Zeit nehmen für dieses Wort, werden wir über Schuhe hinausdenken: Menschen, Erlebnisse, Ereignisse, Bilder, Begegnungen, Beziehungen, Gespräche, Worte, … Wir denken an so Vieles, was in unserem Leben bisher Abdrücke hinterlassen hat. Oder, was im Leben anderer durch uns einen Abdruck (Spuren) erfahren und hinterlassen hat.

Ich denke noch einmal – und werde es immer wieder tun – an unzählige Abdrücke, die ich in meinen 17 Jahren als Pfarrer in Neu-Ulm gemacht durch und mit anderen erfahren habe, die ich jetzt in mir trage und auch in anderen hinterlassen werde … Wir werden immer wieder geneigt sein, diese Abdrücke in uns benennen zu wollen, sie einzuteilen und zu bewerten … Das darf auch sein; es gehört zu uns und lässt uns unser Leben weitergehen.
Ein Stelle aus dem Lukasevangelium ist mir so lebensnah und aktuell; da geht’s eigentlich um nichts anderes als um Fußabrücke: „Am Morgen des ersten Tages der Woche waren zwei Jünger auf dem Weg … und sie sprachen miteinander …“ (Lk 24,13f). Und da sind diese unzähligen Fußabdrücke des ANDEREN, die das Leben und die Welt der Beiden begleitet haben und werden …
„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Schritt für die Menschen“, hat Niel Armstrong zu seinem ersten Fußabdruck auf dem Mond gesagt.
Gott hat es unternommen in Jesus, seine Abdrücke in meinem, in unserem Leben zu hinterlassen: Ein kleiner Schritt für Gott, aber ein gewaltiger Schritt für mich, für Sie …

Gott segne Sie reich und hinterlasse in Ihnen seine Spuren!

Ihr Markus Mattes

Pfarrer Markus Mattes

28.07.-11.08.2019 / 31-33

 

Endlich sind sie da. Egal ob Sie urlaubsreif sind oder nicht. Die großen Ferien stellen eine lang ersehnte Atempause im Jahresverlauf dar. Macht auch Gott Ferien? Das scheint für viele eine seltsame Vorstellung zu sein. Dabei lesen wir schon in der Schöpfungsgeschichte, dass Gott, nachdem er die Welt und alles, was darauf lebt, in sechs Tagen geschaffen hatte, am siebten Tag ruhte. Ferien, Genießen und Ausruhen gehören also ganz zum Plan Gottes. Warum sollte er dann nicht selbst einmal frei machen?
Ja, aber was wird dann aus uns?, wird so mancher vielleicht fragen. Was wird aus den Millionen Kindern, die an Hunger leiden, den vielen Naturkatastrophen und den vielen Kriegen? Wird, wenn Gott frei macht, die Welt nicht noch viel mehr im Chaos versinken?
Eine jüdische Geschichte erzählt dazu Folgendes: Gott wird, als er am siebten Tage, nach der Erschaffung aller Dinge, frei machen will, heftig von den Engeln kritisiert. „Alles hast du geschaffen, Licht, Himmel, Erde, Pflanzen, Tiere und den Menschen, aber du bist doch noch nicht fertig. Es gibt doch noch so viel zu tun. Und jetzt willst du einen Tag frei machen. Das geht doch nicht.“ Darauf schließt Gott mit Adam und Eva einen Vertrag. Wir sind jetzt Partner und gemeinsam verantwortlich für die Welt und alles drum und dran. Dann macht er einen Tag frei. Den Engeln sagt er, wendet euch an den Menschen, wenn es Probleme gibt.
Mir gefällt diese kleine Geschichte. Mir gefällt es, dass wir, Gott und der Mensch, Partner sind und uns gemeinsam, um die Anliegen der Welt kümmern. Dann kann auch Gott einmal Ferien machen.
Ich wünsche Ihnen im Namen des ganzen Pastoralteams eine erholsame Urlaubszeit.

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

21.07.2019 / 30

In der vor uns liegenden Woche geht wieder ein Schuljahr zu Ende. Und der Beginn der Sommerferien setzt auch eine Zäsur im Alltag der Arbeitenden. In den nächsten Wochen dürfen die Meisten von uns loslassen, durchatmen und dem Leben einen anderen Rhythmus geben. Das ist wichtig, denn wir brauchen den Wechsel von Arbeit und Freizeit, von Schule und Ferien, von Anstrengung und Erholung.

Ruhe finden

Jesus weiß das. Deshalb lädt er ein: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28)
Jesus kennt unsere Mühen und Beschwernisse und er weiß auch um die Unruhe unseres Herzens und die Unruhe unserer Gedanken, die uns oft nicht zur Ruhe kommen lässt, auch wenn wir uns noch so sehr danach sehen.

Wir können leider nicht „auf Knopfdruck“ abschalten. Meist brauchen wir ein paar Tage um Abstand vom umtriebigen Alltag zu bekommen. Und wenn wir versuchen Erholung krampfhaft herbeizuführen, verkehrt sie sich schnell ins Gegenteil. Jesu Einladung bei ihm Ruhe zu finden macht deutlich, dass wir uns tiefe, erfüllte Ruhe nicht selbst geben können. Ruhe dürfen wir uns schenken lassen von ihm, der uns und unsere Herzen kennt und weiß, was wir wirklich zum Leben brauchen. In Jesu Nähe dürfen wir ausruhen. Denn vor ihm müssen wir nichts leisten, müssen wir uns nicht verstellen oder verbiegen sondern sind wir angenommen wie wir sind. Mit Jesus verbunden sein bedeutet, sich für ihn zu öffnen, ihn in sein Leben mit einzubeziehen, sich als Teil von Gottes Schöpfung zu verstehen. Seine Schöpfung ist gut – schlicht und ergreifend weil er sie von Anfang an als sehr gut empfand. (siehe Gen 1,31) Diese Zusage gilt jedem Menschen – Ihnen genauso wie mir. Wir dürfen uns von Gott als gut und angenommen wissen, und zwar nicht auf Grund unserer Taten und Leistungen. Das ist doch wahrlich beruhigend!

Diakon Andreas Thalhofer

14.07.2019 / 29

In diesen Wochen müssen wieder viele Menschen Abschied nehmen. Abschied nehmen die Schüler nach bestandenen Prüfungen von ihrer Schule und ihren Mitschülern, manche wechseln die Schule nach den Ferien, in Betrieben wechseln die Mitarbeiter, in den Einrichtungen gehen die Leiter, täglich beerdigen wir Menschen auf unseren Friedhöfen,…
Abschied tut oft weh …. und er verunsichert auch oft, weil Liebgewonnenes zurückgelassen werden muss und die Zukunft noch ungewiss ist. Abschied fordert heraus, denn Loslassen ist eine Kunst des Lebens.
Abschied hat aber auch etwas Befreiendes. Denn manche Last des Alltags fällt ab und hat das Potenzial zum Durchatmen.
Das Leben ist nicht dazu da im Alten zu verharren. Es ist sogar regelrecht auf Veränderung angelegt. Denken wir nur an Lot, der mit Abraham, ihren Frauen und der Sippe, aus seinem Land wegzieht. Gott befiehlt Lot beim Auszug aus Sodom sogar nur nach vorne, und nicht zurückzuschauen. Als seine Frau doch einen Blick zurückwagt erstarrt sie zur Salzsäule. Die Erzählung im Buch Genesis erzählt Wichtiges für unser Leben: Es ist notwendig, dass wir nach vorne schauen, nicht im Alten verharren, nicht festhalten wollen, denn sonst erstarren wir im Leben. Das heißt, wir entwickeln uns nicht weiter, erleben und erfahren nicht das, was uns Gott eigentlich schenken möchte: das Leben in Fülle.

Erfahrungen, Wege, Weitergehen, sich auf Neues einlassen und sich dem Neuen stellen, erfordert einerseits Mut, und gleichzeitig sagt Gott kontinuierlich zu, dass die Zukunft gesegnet sein wird und Angst keine Rolle spielen soll. Junge Menschen gehen meist noch sehr mutig in die Zukunft, sind offen, wollen ausprobieren, Neues erleben. Aber wie sieht es später aus? Wie flexibel bleiben wir beim Älterwerden? Immer wieder sagen mir Menschen ab vierzig, dass sie gerne etwas anderes machen würden, aber ihnen fehle der Mut zur Veränderung. Wozu halten wir fest am Gewohnten? Weil es Sicherheit bietet und weil die Liebe uns hält. Die Liebe zu dem, was wir erleben durften und was uns im Herzen reich gemacht hat. Eine Eigenschaft des Abschieds ist, dass wir vor allem das Positive dessen sehen was war und sich die negativen Dinge im Nebel verflüchtigen.

Der Reichtum bleibt, denn was im Herzen ist, geht nicht verloren. Aus diesem Reichtum heraus bauen wir unsere Zukunft. Aber es bleibt immer auch der Ruf nach vorne zu schauen, sich zu verändern und nach dem zu greifen, was vor uns liegt.
Abraham kam durch seinen Mut zu Neuem immer mehr hinein in die Lebensfülle. Das Leben wurde zum Abenteuer und er durfte Seiten an sich entdecken, die er bisher noch gar nicht kannte.
Kein Mensch ist mehr vor Langeweile gefeit als der Mensch, der biblisch lebt und sich in das Abenteuer Leben hineinwagt.
Jesus stellt den Menschen zeitlebens viele Fragen:
– Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert?
– Was suchst du?
– Willst du gesund werden?
– Warum habt ihr solche Angst?
Leider wohnt die Angst in so vielen Menschen. Sie hindert uns vorbildlich daran, mutig zu sein und zu vertrauen. Die Angst macht im Augenblick einen guten Job in dieser Welt. Das müssen wir uns bewusst machen. Und gleichzeitig bleibt uns die Zusage Gottes: „Sieh, ich zeige dir neues Land. Ich will sich segnen.“ (Genesis 1)

 

Ilona Thalhofer, Gemeindereferentin

07.07.2019 / 28

„Benzinstand gering!“ Mit dieser Anzeige werde ich bei meinem Auto darauf aufmerksam gemacht, dass besagter Kraftstoff, welcher für den Betrieb unserer Fahrzeuge nun mal unablässig ist, langsam zu Neige geht. Sicherlich kennen Sie in Ihren eigenen Pkws ähnliche Funktionen. Nun ist mir in letzter Zeit ein Umstand aufgefallen, welchem ich bisher noch keine große Beachtung geschenkt habe, welchen ich aber auch im übertragenen Sinne für äußerst interessant erachte.

Es handelt sich dabei um jene Tatsache, nach welcher ich zu Beginn eingangs genannter Meldung diese durch einen entsprechenden Tastendruck am Armaturenbrett quittieren kann und sie dann nicht mehr zu sehen ist. Ich bin quasi in der Lage, die Meldung „auszublenden“. Aber nur für eine bestimmte Zeit! Irgendwann, wenn ich die Anzeige einfach ständig ignoriere und keine Tankstelle aufsuche, beginnt diese zu blinken und lässt sich auch nicht mehr einfach „weg drücken“. Damit möchte mir mein Auto nun endgültig klar machen, dass ich jetzt unbedingt Kraftstoff nachfüllen sollte, da sonst ernsthaft die Gefahr besteht, auf der Strecke im wahrsten Sinne des Wortes liegen zu bleiben und die Fahrt damit abrupt zu Ende ist. Und hier sehe ich Parallelen zu manch einer Situation in unserem Alltagsleben. Geht es uns manchmal nicht auch so, dass wir gewisse Hinweise erhalten oder spüren und diese einfach ignorieren und nicht beachten? Dies kann in den unterschiedlichsten Situationen wie Beruf, Ehrenamt, Freizeit aber auch Familie geschehen. Vielleicht blickt da auch die Anzeige auf: „Benzinstand bzw. dann allgemein gesprochen: Energiestand gering!“ Aber anstatt uns zu bemühen, die nächste Energiequelle aufzusuchen oder uns die nötige Ruhepause zu gönnen, drücken wir im übertragenen Sinne derartige Meldungen einfach weg. Bis es eben nicht mehr geht und wir uns irgendwann kurz vor dem endgültigen Leerstand befinden. Dann können wir nur hoffen, dass es uns noch gelingt, die rettenden „Tankstellen“ des Lebens zu erreichen, bevor wir auf der Strecke liegen bleiben. Darum ist es immer ratsamer, Hinweise die unsere körperliche und geistige Verfassung betreffen eben nicht zu ignorieren und rechtzeitig zu befolgen. In diesem Sinne: Eine stets gute und unfallfreie Fahrt auf den Straßen des Lebens!

Kaplan Bernd Udo Rochna

30.06.2019 / 27

Der höchste Kirchturm der Welt steht natürlich in Ulm. Und auch für die Neu-Ulmer gehört er zum „Stadtbild“. Von Kindertagen an schauen wir auf den höchsten Kirchturm der Welt – 161,53 Meter.
Seit über 100 Jahren entsteht in Barcelona ein gewaltiges Bauwerk, die Kirche, die der Heiligen Familie geweiht ist. Ihre Vollendung besteht in der Fertigstellung ihres letzten von 18 Kirchtürmen, und der wird dann der höchste Kirchturm der Welt sein – 172,50 Meter. Dieser Turm wird Christus geweiht sein und alle anderen überragen.

Wenn Sie auf den höchsten Kirchturm der Welt schauen, egal ob er hier oder dann in Barcelona steht, woran denken Sie? Was Menschen fertig bringen, also Bewunderung und Stauen? Würden Sie, wenn nicht schon geschehen, hinaufsteigen wollen?

Der künftige höchste Kirchturm wird – bewusst vom Architekten so gewählt – nicht höher sein als die umliegenden Berge; das Werk des Menschen soll nicht höher werden als das Werk Gottes! Die anderen 17 Türme sind den Apostel, Evangelisten und Maria geweiht; sie alle schauen auf Jesus. Sie waren keine Katholiken, Evangelischen, Freikirchler, … Ich meine, sie wussten noch nicht mal, dass sie Christen sind. Sie fühlten sich angezogen von ihm. Und was/wer mich anzieht, setzt mich doch in Beziehung?!
Für mich ist jeder Kirchturm egal ob groß oder klein ein Fingerzeig Gottes. Und Gott zeigt sich in Jesus! Und wenn ich einen Kirchturm sehe, erinnert er mich an seine und meine Beziehung zu Jesus. Einen echt interessanten Gedanken habe ich neulich in einem Vortrag gehört (von einem Priester): Christen sind die großen Feinde der Kirche und des Jesus v. Nazareth. Und sie sind es dann, wenn sie beten (Vater unser, Litaneien, Rosenkränze etc.), damit sie nichts fürs/aus Evangelium tun müssen, also Jesus nicht tun und nicht in Beziehung leben.
Stellen sie sich vor, wir sind wie Kirchtürme von klein bis groß; und egal ob klein oder groß, wir sind Fingerzeige Gottes, Ausdruck unserer Beziehung zu IHM!? Da können wir eigentlich nie groß genug werden!

Seien Sie gesegnet

Ihr Pfarrer Markus Mattes

09.06., 16.06.2019 / 24, 25

Wenn es eine Sache gibt, die mich von Kindheit an bis heute fasziniert, dann ist es Feuer. Im Zeltlager war es einfach das Größte ein Lagerfeuer zu machen, über dem auch alle Mahlzeiten gekocht wurden, an das man bei der Nachtwache immer wieder zurückkehrte um sich zu wärmen und an dem man viele schöne Stunden bei Gesprächen, Liedern und Gitarrenmusik erlebte.

Feuer ist faszinierend und es hat eine ungeheure Kraft.
Es ist nützlich, spendet Wärme und Licht.
Ebenso kann es zerstören, verbrennen, verletzen, ja sogar töten.

Einerseits liebe ich Feuer, andererseits habe ich Respekt vor seiner Macht. Und deshalb liebe ich Pfingsten, das „christliche Feuerfest“. Nachdem Christus zu seinem Vater in den Himmel zurückgekehrt war, sandte er seinen Freundinnen und Freunden den Heiligen Geist. In der Gestalt von Flammen kam er vom Himmel herab. Feuerzungen, die loderten aber nichts zerstörten; Feuerzungen, die sich auf den Jüngern niederließen, sie aber nicht verletzten; Feuerzungen, die von den Menschen Besitz ergriffen, sie aber nicht verbrannten. Gottes Geist legte sich auf die Menschen und entzündete sie. So entflammt brechen sie aus ihrer Hoffnungslosigkeit und Zurückgezogenheit aus, weil der Geist Gottes sie verwandelt hat. Weil sie begeistert sind.

Das Pfingstwunder – in unserer technisierten und aufgeklärten Gesellschaft tun sich Viele schwer mit Wundern. Aber die Menschen damals erkannten in den Feuererscheinungen die Nähe Gottes.

Und Pfingsten ereignet sich auch heute noch – wenn Menschen wieder Hoffnung schöpfen, wenn sie aus ihren Schneckenhäusern herauskommen; wenn sie aufeinander zugehen und das Leben feiern. Überall dort ereignet sich Pfingsten, egal ob mit oder ohne Feuerzungen.

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

02.06.2019 / 23

Waren Sie vergangenen Sonntag auf dem Petrusplatz? Was haben Sie erlebt? Sicher könnten sie viele Geschichten erzählen von Begegnung, Feier, Dankbarkeit, Teilen, Austausch, Berührtsein. Ich wünsche Ihnen, dass Sie eine wohltuende Zeit erleben konnten, beim großen ökumenischen Kirchentag.

Es war ein einziger Tag der Geschichte schreibt. Nie zuvor gab es ein Treffen aller Christen der Stadt in dieser Form. Unzählige Helferinnen und Helfern haben dieses Glaubensfest möglich gemacht. Ihnen allen sei an dieser Stelle ein riesengroßer Dank ausgesprochen!

Die Christen aller Konfessionen dieser Stadt setzten damit ein Zeichen. Dieses Zeichen ist Pfingsten! Denn in der Pfingstpredigt heißt es doch, dass sie alle in unterschiedlichsten Sprachen und Weisen von Gott erzählten, mit dem Ergebnis, dass tausende zum Glauben kamen. Ist das neue Pfingsten nicht einfach, dass wir auf unsere ganz unterschiedlichen Arten und Weisen heute Kirche sind?
Kirche ist zuerst einmal keine Institution sondern der Leib von Jesus Christus. Wer sich mit Jesus Christus verbunden weiß, ist somit auch seine Kirche – egal welche Kirchenräume er oder sie sonntags besucht.

Es ist gut, dass der Geist Gottes durch offene Herzen Grenzen überwindet. Und es ist faszinierend wie reich, bunt und fürsorglich er sich ausdrückt durch seine Gläubigen aller Nationen und Konfessionen.
Wie sieht die neue Kirche der Zukunft aus? Ich habe den Traum, dass wir alle Grenzen hin zur Geschwisterlichkeit überwinden. Dabei sollten wir respektieren, dass Geschwister unterschiedlich sind in ihrer Art zu leben, auch in der Art ihren Glauben zu leben. Vielleicht sollten wir aber als Erstes einmal aufhören uns über Konfessionen zu definieren und einfach nur sagen: Ich gehöre zur Kirche Jesu Christi.

Ilona Thalhofer

26.05.2019 / 22

„Herr Kaplan, wann kommen jetzt endlich die Fürbitten?“ So die Frage eines Kommunionkindes während der Predigt in einer kürzlich stattgefundenen Erstkommunionfeier, welcher ich als Hauptzelebrant vorstehen durfte. Sie können sich die Reaktion der Gottesdienstbesucher vorstellen, welche sich irgendwo zwischen Überraschung, Amüsement und sichtbarer Erheiterung verorten lässt. Und auch ich war, ehrlich gestanden, für eine kurze Zeit völlig aus dem Konzept gebracht. Aber schon nach wenigen Augenblicken gewann ich die Erkenntnis, dass dieser Ausspruch genau in die Thematik passte, über welche sich in diesem Gottesdienst die Predigt handelte: Um das Bewahren der Kindheit im positiven Sinne und die daraus resultierenden Folgen.
An mehreren Stellen innerhalb des Neuen Testaments hören wir von Jesus die Aussage, nach welcher nur derjenige in das Himmelreich gelangen kann, der wieder wie ein Kind geworden ist. Was kann diese Anweisung nun im Konkreten bedeuten? Nun, ich denke, Jesus möchte damit nicht sagen, dass wir uns möglicherweise kindisch und damit vielleicht sogar verantwortungslos verhalten sollen. Vielmehr geht es ihm, meiner Ansicht nach, um die Ehrlichkeit, welche vor allem und gerade Kinder in einem ganz zentralen Maße auszeichnet. Und wenn wir uns an die eigene Kindheit zurück erinnern, dann fallen uns bestimmt verschiedene Situationen ein, in welchen wir kindlich, aber eben auch ehrlich gehandelt haben. Also ich habe, ehrlich gestanden, durch manche Aussage meine Eltern vielleicht in die ein oder andere peinliche Situation gebracht. Aber: Diese Aussagen entsprachen meist der Wahrheit und kamen wirklich aus der vollen Brust der Überzeugung. Als Kind überlegen wir nicht vorher, ob ein Satz oder eine Handlung jetzt gerade angebracht ist. Wir tun oder sagen es einfach. Wenn ein Kind fröhlich ist, dann lacht es und sei dies auch beispielsweise während eines Gottesdienstes. Diesbezüglich sei angemerkt: Der uns gerade als Kind meist eingetrichterte „Grundsatz“, nach welchem man in der Kirche nicht lacht, ist im Grunde eigentlich mehr als paradox. Wo, wenn nicht am Ort der wahren Freude, an welchem Gott uns bereits ein Teil seiner himmlischen Herrlichkeit schenken möchte. Oder wenn ein Kind traurig ist, dann zeigt es dies durch Weinen oder Jammern. Diese Offenheit wurde uns leider im Laufe des so genannten „Erwachsenwerdens“ regelrecht abgewöhnt. Wir trauen uns leider später viel zu selten, offen zu unseren Gefühlen zu stehen. Und genau diese Ehrlichkeit und Offenheit des Kindseins gilt es nun wieder verstärkt zurückzugewinnen, bzw. sich zu erhalten. Und genau dies wünsche ich jenem Erstkommunionkind, dass sich mutig zu Wort gemeldet hat und damit ehrlich seine Meinung kundgetan hat, nach welcher ich wohl schon zu lange gepredigt hätte und jetzt endlich zum Schluss kommen solle. Und genau dies werde ich jetzt auch im Rahmen dieses Artikels tun.

Kaplan Bernd Udo Rochna