Impulse

26.05.2019 / 22

„Herr Kaplan, wann kommen jetzt endlich die Fürbitten?“ So die Frage eines Kommunionkindes während der Predigt in einer kürzlich stattgefundenen Erstkommunionfeier, welcher ich als Hauptzelebrant vorstehen durfte. Sie können sich die Reaktion der Gottesdienstbesucher vorstellen, welche sich irgendwo zwischen Überraschung, Amüsement und sichtbarer Erheiterung verorten lässt. Und auch ich war, ehrlich gestanden, für eine kurze Zeit völlig aus dem Konzept gebracht. Aber schon nach wenigen Augenblicken gewann ich die Erkenntnis, dass dieser Ausspruch genau in die Thematik passte, über welche sich in diesem Gottesdienst die Predigt handelte: Um das Bewahren der Kindheit im positiven Sinne und die daraus resultierenden Folgen.
An mehreren Stellen innerhalb des Neuen Testaments hören wir von Jesus die Aussage, nach welcher nur derjenige in das Himmelreich gelangen kann, der wieder wie ein Kind geworden ist. Was kann diese Anweisung nun im Konkreten bedeuten? Nun, ich denke, Jesus möchte damit nicht sagen, dass wir uns möglicherweise kindisch und damit vielleicht sogar verantwortungslos verhalten sollen. Vielmehr geht es ihm, meiner Ansicht nach, um die Ehrlichkeit, welche vor allem und gerade Kinder in einem ganz zentralen Maße auszeichnet. Und wenn wir uns an die eigene Kindheit zurück erinnern, dann fallen uns bestimmt verschiedene Situationen ein, in welchen wir kindlich, aber eben auch ehrlich gehandelt haben. Also ich habe, ehrlich gestanden, durch manche Aussage meine Eltern vielleicht in die ein oder andere peinliche Situation gebracht. Aber: Diese Aussagen entsprachen meist der Wahrheit und kamen wirklich aus der vollen Brust der Überzeugung. Als Kind überlegen wir nicht vorher, ob ein Satz oder eine Handlung jetzt gerade angebracht ist. Wir tun oder sagen es einfach. Wenn ein Kind fröhlich ist, dann lacht es und sei dies auch beispielsweise während eines Gottesdienstes. Diesbezüglich sei angemerkt: Der uns gerade als Kind meist eingetrichterte „Grundsatz“, nach welchem man in der Kirche nicht lacht, ist im Grunde eigentlich mehr als paradox. Wo, wenn nicht am Ort der wahren Freude, an welchem Gott uns bereits ein Teil seiner himmlischen Herrlichkeit schenken möchte. Oder wenn ein Kind traurig ist, dann zeigt es dies durch Weinen oder Jammern. Diese Offenheit wurde uns leider im Laufe des so genannten „Erwachsenwerdens“ regelrecht abgewöhnt. Wir trauen uns leider später viel zu selten, offen zu unseren Gefühlen zu stehen. Und genau diese Ehrlichkeit und Offenheit des Kindseins gilt es nun wieder verstärkt zurückzugewinnen, bzw. sich zu erhalten. Und genau dies wünsche ich jenem Erstkommunionkind, dass sich mutig zu Wort gemeldet hat und damit ehrlich seine Meinung kundgetan hat, nach welcher ich wohl schon zu lange gepredigt hätte und jetzt endlich zum Schluss kommen solle. Und genau dies werde ich jetzt auch im Rahmen dieses Artikels tun.

Kaplan Bernd Udo Rochna

 

Lange Nacht der Psalmen

Samstag, 25. Mai 2019, Johanneshaus
19 Uhr
Zum 150-jährigen Jubiläum unserer Stadt werden an diesem Abend alle 150 Psalmen vorgelesen und musikalisch begleitet. Dazwischen gibt es eine Einführung in die Theologie und das Verständnis der Psalmen.

Neu-Ulmer Kirchentag

Sucht den Frieden in der Stadt.
Gemeinsamer Kirchentag der verschiedenen christlichen Kirchen
Sonntag, 26. Mai 2019, Petrusplatz
(bei schlechtem Wetter in der Petruskirche)

11 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst
Es gibt parallel ein Angebot für Kinder.

Ab 12 Uhr
Friedenstafel
Ein großes Mitbring-Picknick auf dem Petrusplatz. Jede/r bringt selbst Essen, Geschirr und Besteck mit. Wir teilen mit anderen und feiern Tischgemeinschaft und Frieden in unserer Stadt. (Bitte Abfall vermeiden, so gut es geht.)

Nachmittagsprogramm
Spielstraße für Kinder
Offenes Singen in der Petruskirche mit Gospelchor
Bibelarbeit und Gespräch
Kaffee und Kuchen (um Rührkuchen-Spenden wird gebeten)

15 Uhr
Zeichenhandlung des Danks an Gott

15.30 Uhr
Lobpreiskonzert
Es spielt die Immanuel Lobpreisband aus Ravensburg.
Eintritt frei

 

www.wir-leben-neu.de/veranstaltungskalender/veranstaltung/neu-ulmer-kirchentag

12.05.2019 / 20

Muttertag. Manche tun da ein wenig verlegen so, als ob sie mit diesem Tag nichts zu tun haben möchten. Mütter reagieren auf diesen Tag eher gelassen: Wenn er dazu verhilft, auch die übrigen 364 Tage des Jahres ein bisschen mehr zu Muttertagen zu machen, soll es recht sein. Wie immer man zu diesem Tag steht – eines fällt auf: Fast jeder würde sich schämen, wenn er nicht irgendein Lob auf die Mutter, ein Danke für sie übrig hätte.

Wir danken deshalb allen mütterlichen Frauen: Zuhause in der Familie oder alleinstehend, den Frauen für ihren mütterlichen Dienst an alten, kranken, behinderten Mitmenschen. Ich füge dem Danke noch ein Wort des Dichters Franz Grillparzer (1791-1872) hinzu: „Weil Gott nicht überall sein konnte, darum schuf er die Mütter.“ – Klingt vielleicht schmeichelhaft übertrieben. Dennoch schwingt hier etwas mit, was Gott und mütterliche Frauen gemeinsam haben: Die Sorge für die ihren, immer zuerst an die andern denken, in der Nähe sein, Geborgenheit schenken, ermutigen – aber auch verzichten, loslassen können. Haltungen, die auch den Männern gut anstehen. Nur dass wir Frauen dies zu erproben mehr Gelegenheit und den längeren Atem zu haben scheinen. Für Gottes Zuwendung zum Menschen sagen wir „Barmherzigkeit“. Das hebräische Wort für „Barmherzigkeit“ heißt ursprünglich „Mutterschoß“ – aus mütterlicher Liebe kommende Sorge und Güte. Ganz in diesem ursprünglichen Sinn verkündigt und lebt Jesus seine Botschaft von Gott. Wenn er davon spricht, grenzenlos gütig zu sein, den Nächsten voraussetzungslos zu akzeptieren, ihm bedingungslos zu vergeben – dann verkündigt Jesus einen Gott mit mütterlichen Zügen. So wie Jesus bei seinen Jüngern, können auch Mütter nicht auf ewig bei ihren Kindern bleiben. Sie müssen sie in die Selbständigkeit entlassen. Aber die Liebe, die sie ihren Kindern gegeben haben, die ist ein bleibender Beistand für ihr ganzes Leben.

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

05.05.2019 / 19

Am heutigen und an den beiden folgenden Sonntagen feiern insgesamt 81 Kinder unserer Pfarreiengemeinschaft Erstkommunion. Im schulischen Religionsunterricht, in Weggottesdiensten der einzelnen Gemeinden und in Familienkatechesen wurden die Kinder auf diesen großen Tag vorbereitet, an dem sie zum ersten Mal Jesus in der Gestalt der Hostie in sich aufnehmen. 

Dies lässt sich mit dem Verstand allein nicht begreifen – weder als Kind noch als Erwachsener. Es ist und bleibt ein Geheimnis unseres Glaubens. Letzte Fragen werden bleiben. Fragen, wie sie folgende Kurzgeschichte aufgreift:

„Zu einem Priester kam ein Mann und fragte: „Wie ist es möglich, dass aus Brot und Wein Fleisch und Blut Christi werden?“ 

Der Priester antwortete: „Wenn schon dein Körper die Nahrung, die du zu dir nimmst, in Fleisch und Blut umsetzen, verwandeln kann, warum soll Gott nicht auch das andere vermögen?“

Der Mann gab sich nicht geschlagen: „Wie kann denn in einer so kleinen Hostie der ganze Christus zugegen sein?“ 

Der Priester gab zur Antwort: „Eine Landschaft, die vor dir liegt, ist so groß und dein Auge doch so klein. Und doch ist das Bild der großen Landschaft in deinem Auge. Warum soll es dann nicht möglich sein, dass in der kleinen Brotgestalt der ganze Christus zugegen ist?“

Noch eine dritte Frage stellte der andere: „Wie kann derselbe Christus gleichzeitig in allen euren Kirchen zugegen sein?“ 

Da nahm der Priester einen Spiegel und ließ ihn hineinschauen. Dann warf er den Spiegel zu Boden und sagte: „Auch in jedem einzelnen Stückchen kannst du dein ganzes Bild jetzt gleichzeitig sehen!““

(nach Peter Eismann)

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

28.04.2019 / 18

Mit diesen Worten beginnt ein Liedtext Martin Luthers. Er greift dabei einen Choral auf, der aus der Zeit um das Jahr 750 stammt (Media vita in morte sumus – so sein lateinischer Text)

Luther und der frühere Textschreiber sprechen eine zutiefst menschliche Erfahrung an: Auch wenn wir gerade mitten im Leben stehen, die Erfahrung von Sterben und Tod ist uns nahe und begleitet uns. Sicher war diese Erfahrung im Mittelalter oft den Menschen noch näher als heute – sei es durch hohe Kindersterblichkeit und durch Seuchen wie die Pest.

Aber auch heute erleben wir tagtäglich Krankheit und Tod. Oft wollen wir dies nicht wahrhaben, ja, wir täuschen uns vor, dass die Medizin in Kombination mit moderner Technik Krankheiten und Tod beherrschbar machen. Und trotzdem erleben wir Unfälle, Naturkatastrophen, plötzlichen Herztod oder langes Leiden, aber auch im übertragenen Sinn das Sterben von Lebensentwürfen, das Scheitern von Plänen oder Beziehungen.

Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben: um diese Lebenserfahrungen wissen die biblischen Texte, die wir in der Zeit vor Ostern hören. Die Psalmen und biblischen Klagelieder bringen sie eindringlich zur Sprache.

Als Christen dürfen wir über diese Erfahrung hinaus hoffen: Diese Hoffnung heißt Ostern. Ostern dreht den obigen Satz um: Mitten im Tod sind wir vom Leben umgeben! Dies macht Mut, unseren Alltag mit offenen Augen und Ohren wahrzunehmen und zu entdecken: wo entdecke ich das Leben, das uns umgibt? Noch besser ist es, dies gemeinsam zu tun, sich gegenseitig dazu ermutigen: „Ach frag mich nach der Auferstehung, ach hör nicht auf mich zu fragen“ (aus einem Gedicht von Dorothee Sölle)

Martina Berndt-Hoffmann

Betriebsseelsorge Iller-Donau

14.04., 21.04.2019 / 16 / 17

Vor kurzem durfte ich wieder einmal außerhalb der Grenzen der eigenen Pfarreiengemeinschaft eine Trauung halten. Während ich mich in der Sakristei auf die Liturgie einstimmte, erzählte mir der dort tätige Mesner von einem für ihn sehr einprägsamen und besonderen Erlebnis. So fand vor einigen Wochen in der betreffenden Kirche eine Heilige Messe statt, welche hauptsächlich von Gläubigen aus dem rumänischen Sprachraum besucht wurde. Im Rahmen dieses Gottesdienstes kam es unter anderem auch zu der Verehrung einer besonderen Kreuzreliquie, welche von Seiten der Besucher selbst mitgebracht wurde. In diesem Zusammenhang berichtete mir nun der Mesner, dass dies wohl mit einer solchen Begeisterung geschah, wie es für unsere deutschen Verhältnisse schon fast unvorstellbar wäre. Da wurden unter anderem die Handykameras gezückt und in einer Weise Erinnerungsbilder geschossen, wie wir dies vielleicht von Begegnungen mit irgendwelchen Größen aus dem Showgeschäft kennen. Wenn ich von solch ehrlichen Formen der Gottesverehrung höre, fällt mir ein Wort des Theologen und Märtyrers Dietrich Bonhoeffer ein, der sinngemäß sagte, dass Jesus nicht auferstanden ist, dass wir dieses Geschehen begriffen, sondern uns von diesem mitreisen lassen müssten. Und darum geht es meiner Ansicht genau an Ostern! Über die Theologie der Auferstehung gibt es unzählige Abhandlungen, bei welchen es sich jedoch lediglich vielleicht um Versuche der Annäherung an dieses unfassbar große Geschenk Gottes an uns Menschen handeln kann. Sämtliche Unternehmungen und Anstrengen mit dem Ziel, das Ostergeheimnis mit dem Verstand rationell zu erfassen, müssen zwangsläufig scheitern, weil dieses Mysterium unseren begrenzten Geist um ein Unendliches übersteigt. Aber mit dem Herzen können wir die Begeisterung sehr wohl aufnehmen und auch ausdrücken. Und wenn wir einmal an unsere eigenen Lebenserfahrungen denken so müssen wir doch zugeben, dass wahre und echte Freude doch meist ganz spontan aus dem Herzen kommt. Wenn wir beispielsweise eine ganz freudige Nachricht erhalten, reagieren wir doch meist mit spontaner Begeisterung, ohne dabei sofort zu versuchen, die Bedeutung dieser Aussage genau zu überdenken und mit Hilfe unseres Verstandes zu erfassen. Und in dieser Beziehung können wir uns auch ruhig ein Beispiel an der rumänischen Glaubensgruppe nehmen, welche diese echte und ungefilterte Freude sichtbar zum Ausdruck bringen konnte. Lassen wir uns daher von Ostern einfach „nur“…mitreisen!

Kaplan Bernd Udo Rochna

07.04.2019 / 15

Heute Nacht,
aber es war wohl morgens, wenn die Träume kommen,
dann kam auch einer zu mir,
Was darin geschah, weiß ich nicht mehr,
aber es wurde etwas gesagt, ob zu mir,
oder von mir selbst,
auch das weiß ich nicht mehr.

Es wurde also gesagt, wenn der Mensch geboren wird,
wird ihm ein Wort mitgegeben,
und es war wichtig, was gemeint war:
nicht nur eine Veranlagung, sondern ein Wort.
Das wird hineingesprochen, in sein Wesen,
und es ist wie ein Passwort zu allem, was dann geschieht.
Es ist Kraft und Schwäche zugleich.
Es ist Auftrag und Verheißung.
Es ist Schutz und Gefährdung.

Alles, was dann im Gang des Jahres geschieht,
ist Auswirkung dieses Wortes,
ist Erläuterung und Erfüllung.
Und es kommt alles darauf an, dass der
Dem es zugesprochen wird
– jeder Mensch, denn jedem wird eins zugesprochen –,
es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt.

Und vielleicht wird dieses Wort
Die Unterlage sein zu dem,
was der Richter einmal zu ihm sprechen wird.

Romano Guardini

31.03.2019 / 14

Ich schaffe das, so sporne ich mich an in der Fastenzeit: Ich schaffe das, mir täglich 10 Minuten Stille zu gönnen. Ich schaffe das, auf Süßes und Alkohol zu verzichten, oder den Zeitfressern Smartphone, Fernsehen und wie sie alle heißen Nahrung zu entziehen. Ich schaffe das!

Was mir daran nicht ganz gefällt?

Ich höre den Satz, „ich schaffe das“, das ganze Jahr über in verschiedenen Varianten: Ich schaffe das alleine, ohne Rollator. Ich schaffe das alleine, ich will ja meinen Kindern nicht zur Last fallen. Ich brauche keinen Arzt. Ich mache das mit mir selber aus. Mit dem Tod meines Arbeitskollegen umzugehen, schaffe ich schon. Ich komme mit meiner schmalen Rente zurecht, ich will nichts „vom Staat“. Oder: Ich schaffe das allein ohne Betriebsrat, ohne Gewerkschaft, brauche kein (seelsorgerliches) Gespräch, keine Kirche, keinen Verband …

Wenn ein derartiges, fast trotziges „ich schaffe das allein“ in Fastenvorsätzen gleichsam selbstoptimierend auf die Spitze getrieben wird, dann gefällt mir das nicht.

Wie wäre es dagegen damit als Fastenzeit-Übung: Rechtzeitig jemanden um Hilfe zu bitten, wenn ich spüre, dass ich sie benötige? Wie wäre es, Solidarität bei Betriebsrat und Gewerkschaft zu suchen? Wie wäre es, Familie, Freunde, Vertraute aus dem Kollegenkreis, aus Verband oder Kirchengemeinde nicht mit meiner Bedürftigkeit, meinen Nöten zu verschonen? Dies wäre, davon bin ich überzeugt, ein Zeichen meiner Stärke, nicht meiner Schwäche.

„Was willst du, dass ich dir tue?“: Jesus verlangt dem blinden Bartimäus ab, seinen Wunsch auszusprechen: „Rabbuni, ich möchte sehen können“ (Mk 10,51). Das Benennen der eigenen Hilfsbedürftigkeit anderen und Gott gegenüber ist heilsam.

Nichts gegen die eingangs genannten Fastenvorsätze: Aber wenn schon Optimierung dann weniger Selbstoptimierung sondern lieber „Optimierung“ unseres Miteinanders, indem ich sagen lerne, was ich brauche, und andere einlade, dies ebenso zu tun – und so in der Fastenzeit und jenseits der Fastenzeit „dem Guten Raum gebe“.

Thomas Hoffmann

24.03.2019 / 13

Ja, Sie lesen richtig – ein froher Weihnachtswunsch mitten im März! Und dieser ist durchaus ernst gemeint. Beginnt doch in der vor uns liegenden dritten Fastenwoche in gewisser Weise bereits Weihnachten. Denn genau neun Monate vor dem Fest der Geburt des Herrn feiern wir am 25. März das Fest der Verkündigung – der Tag, an dem der Erzengel Gabriel zu Maria gesandt wurde und ihr verkündete, dass sie zur Mutter des Messias, des Gottessohnes, erwählt war.

Und Maria antworte auf die Botschaft des Engels „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38), obwohl diese Erwählung noch weniger in ihr Leben passte als der eingangs geschriebene Weihnachtsgruß in den Frühling. Schließlich war sie nicht verheiratet. Die Schwangerschaft einer ledigen Frau wurde als eine schlimme Schande angesehen. Zudem waren die Umstände, unter denen Maria schwanger wurde, alles andere als plausibel. Somit war der Entschluss Josefs, sich von seiner Verlobten zu trennen (Mt 1,19), durchaus verständlich.

Da war so rein gar nichts von „Frohe Weihnachten“. Die weihnachtliche Botschaft scheint nicht in unsere Welt zu passen. Damals nicht und auch nicht heute, kurz nach Frühlingsbeginn. Selbst im Dezember halten Manche sie für fehl am Platz: Ein Kind in der Krippe soll der Retter der Welt sein? Gott wird Mensch, stirbt am Kreuz und steht von den Toten auf – wer soll das denn glauben?

Maria hat geglaubt. Zuerst war sie erschrocken, ja bestürzt. Aber sie hat nachgedacht. Nicht nur über das Kind in ihrem Bauch, sondern über ihr Leben und über das, was Gott mit ihr vorhat. So kann sie letztlich zu Elisabet sagen „Der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig“. (Lk 1,49)

Sie zeigt, dass Weihnachten unabhängig jeglicher Kalenderdaten beginnen kann – auch heute, im März – wenn ich darüber nachdenke, was Gott mit mir und meinem Leben vorhat.

Diakon Andreas Thalhofer

17.03.2019 / 12

Auf die Fürbitte der Mutter von Jesus Christus bauen

Gebetsinitiative „miteinander Beten“
am 24. März 2019 um 19 Uhr in der Petruskirche/Neu-Ulm

Warum noch ein Gebetstermin?
Der Ausgangspunkt für diese bundesweite Gebetsinitiative ist der Film „Fatima, das letzte Geheimnis“. Eindrucksvoll und zugleich sehr berührend werden die Zusammenhänge mit etlichen Ereignissen in unserer Zeit und dem Rosenkranzgebet dargestellt. Immer wieder konnte manches Unheil durch das intensive Rosenkranzgebet von Millionen Menschen abgewendet werden. Die Aussage des Filmes ist, dass wir uns nicht entmutigen lassen sollen, sondern unsere Anliegen vertrauensvoll der Gottesmutter übergeben. Das hat viele, die diesen Film gesehen haben, nicht in Ruhe gelassen. Es gibt so viele Umbrüche in unserer Zeit, in den Pfarreien, in der Kirche, in den Familien, in der Politik …. Niemand weiß, was daraus wird. Was können wir tun? Das „Projekt Pilgerheiligtum“ der Schönstattbewegung hat deshalb die Gebetsinitiative „miteinander BETEN“ gestartet.

„Gemeinsam beten“ am Sonntag, den 24. März 2019 an vielen Orten, mit anderen oder allein, dasselbe Gebet, den Rosenkranz. In unserer Pfarreiengemeinschaft um 19 Uhr in der Petruskirche, nach dem Abendgottesdienst.

Wir bitten um Frieden zwischen den Völkern, Religionen, in den Familien. Wir bitten um Gottes Segen, dass das, was wegbricht, zu einem neuen Anfang wird.“

Elvira Held
„Projekt Pilgerheiligtum“

10.03.2019 / 11

„Und auf was verzichtest Du diesmal in der Fastenzeit?“ Mit dieser oder ähnlichen Fragen sind viele von Ihnen sicherlich in den letzten Tagen konfrontiert worden oder haben sie selbst an Freunde und Bekannte gerichtet. Und auch die Antworten fallen höchst unterschiedlich aus. Manche verzichten auf Zucker und Süßes, Andere wiederum auf Alkohol und/oder Tabak und wieder Andere schränken gewisse Tätigkeiten wie Fernsehen oder den Konsum des Internets während der Fastenzeit ein. Es gibt natürlich auch Menschen, welche in diesen 40 Tagen der Buße so keinen rechten Sinn sehen und es daher auch nicht für nötig erachten, ihren Lebenswandel dahingehend zu verändern. Aber sollten wir uns dazu durchringen, auf die eine oder andere Sache oder liebgewordene Gewohnheit zu verzichten, dann möchten wir dies auch in der Regel mit aller Konsequenz vollziehen. Will heißen: Wenn schon Fasten, dann auch die vollen 40 Tage und nicht schon vorher das sprichwörtliche „Handtuch werfen“. Gelingt uns dies nicht, sind wir in der Regel enttäuscht und ärgern uns über unsere eigene Disziplinlosigkeit.

Nun verhält es sich in der Regel mit dem Fasten ähnlich wie mit ganz vielen anderen Vorhaben oder Projekten in unserem Leben: Alleine ist es oft viel anstrengender als in einer Gemeinschaft. Nun mag hier der ein oder andere verständlicherweise die Frage stellen, was es mir denn jetzt persönlich nützt, wenn weitere Menschen sich dieselben Fastenvorsätze fassen wie ich selbst. Denn in letzter Konsequenz muss ja jeder für sich selbst den geplanten Verzicht üben. Dieser Einwand mag aus dieser Perspektive aus betrachtet, sicherlich berechtigt sein. Aber diesbezüglich verhält es meiner Ansicht nach eher wie nach dem Grundsatz „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Es handelt sich daher eher um eine Gemeinschaft im Geiste, in welcher sich die einzelnen Mitglieder mental und seelisch Kraft und Halt geben, die geplanten Vorsätze auch entsprechend umzusetzen. Man könnte dies vielleicht auch mit einer Wegstrecke wie beispielsweise einer Fußwallfahrt vergleichen, die man nicht alleine, sondern in einer Gruppe geht. Laufen muss hier zwar auch jeder für sich, aber gerade in Situationen, in welchen man neigt, die Motivation zu verlieren, kann man sich gegenseitig wieder Mut und Zuversicht zusprechen.

So sind auch diese 40 Tage der vorösterlichen Bußzeit wie ein Weg, den wir entweder alleine oder gemeinsam gehen können. Aber egal, wie wir uns entscheiden: Einer geht immer mit und dieser Jemand kann uns auf ganz besondere Art und Weise motivieren.

Kaplan Bernd Udo Rochna

03.03.2019 / 10

Immer wieder darf ich mit unserem Architekten zusammen mit Interessierten durch St. Johann Baptist gehen und über die Kirche berichten: ihre Entstehung, ihre Bau- und Erweiterungsphasen, der Wiederaufbau nach ihrer Zerstörung durch die Bombardierung unserer Stadt, die Neugestaltung in den neunzehnhundert achtziger Jahren und der aktuelle Stand der Sanierung. Vor ein paar Jahren hat es über Nacht einen gewaltigen Riss durch das gesamte Kirchenschiff gegeben; mit einem Schlag hat es die Bodenplatten im Mittelgang aufgestellt. Die Spannungen, die sich wohl über Jahrzehnte in der Kirche aufgestaut haben, mussten sich Luft verschaffen. Dieses Ereignis hat die Notwendigkeit der Sanierung erst bewusst gemacht und schließlich eingeleitet. Spannend und herausfordernd während des bisherigen Verlaufs ist, dass wir nicht mit einem fertigen Konzept beginnen konnten; vieles zeigte und zeigt sich im Verlauf, es musste und muss teilweise neu gedacht und anfangs geplante Verfahren geändert werden und konnten und können gar nicht zur Durchführung kommen. Wenn ich zurzeit in die geschlossene Kirche hineingehe, erschreckt mich der Zustand ihres Inneren: da sind nur Gerüste, Staub und Schmutz, unangenehme Gerüche, keine Schönheit, das Kreuz und der Altar sind verhüllt, …

Bei näherem Hinschauen kann ich aber – noch Anfang Haft – auch erste Ergebnisse sehen: gereinigte Mauern, ganz neugedachte Entwürfe, neue Lichtplanungen, …

Die Sanierung von St. Johann beschäftigt mich, und wird für mich zu einem Geschehen der Kirche weltweit!

Bei einem Gespräch mit einem Missbrauchsopfer sagte Kardinal Schönborn im Blick auf die wenige Tage später stattgefundene Konferenz des Papstes mit den vorsitzenden Bischöfen der Bischofskonferenzen in Rom, dass es wohl zuallererst um ein Bewusstwerden von Zuständen und Verhaltensweisen der Kirche gehen wird/muss. Für mich ein Bewusstwerden, das nicht „nur“ den Umgang mit Schutzbefohlenen wahrnehmen will, sondern sich auf alle vorstell- und noch unvorstellbaren Bereiche kirchlichen Denkens, Redens, Lebens, Handelns und Verhaltens ausweiten will und muss, sie anschaut und zu Veränderungen offen ist und aufbricht, auch wenn sie noch gar nicht geplant und gedacht sind. Das Neu-Bewusstwerden des Verhaltens Gottes gegenüber den Menschen, wie er es uns in Jesus seinem Sohn zeigt!

 

 

Vor unserer Kirche hängt ein Plakat, darauf steht:
So reinigt Gott seine Nutzgefäße, füllt sie neu mit seinem Geist und macht sie wieder brauchbar!

Der Untergang der Kirche, der Gemeinschaft der Gerufenen, ist nicht in seinem Heilsplan; die Reinigung und Neuordnung schon.

 

Beim letzten Firmnachmittag unserer Jugendlichen bin ich ins Staunen gekommen über die Antworten, die sie im Blick auf das Leben, seine Zusammenhänge und sein Gelingen gefunden haben – das war und ist stark! Und da war ein Gebet – Sie kennen es:

 

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. (GL 19,4)

 

Pfarrer Markus Mattes