Impulse

09.12.2018 / 50

In unserem letzten Urlaub kamen wir auf einer Wanderung in den Bergen zu einer Barbara-Kapelle. Beim Halt an diesem schönen Ort machten wir eine interessante Entdeckung: diese Kapelle ist das fast einzige Überbleibsel eines großen Magnesit-Bergwerks samt Verarbeitungsbetriebe auf 1700m Höhe. Hier arbeiteten zwischen 1920 und 1976 fast 400 Menschen. Etwa 40 Familien lebten auch hier hoch über dem Tal in einer Werkssiedlung mit Laden, Schule, Kantine, Arzt, Kegelbahn und Kino – und später eben auch einer eigenen Kapelle. Nach Ende des Betriebs wurde alles abgebaut und renaturiert. Nur eine Schautafel erinnert noch an das Werk.

Beeindruckt hat mich in der Kapelle ein Erinnerungsbuch. Liebevoll gestaltet erinnert es bis heute, 40 Jahre später, an die Arbeit und an die arbeitenden Menschen der damaligen Zeit. Den Frauen in der Kantine, der Lehrerin, manchen Bergarbeitern sind einzelne Seiten gewidmet mit Bildern. Es werden die Arbeitsbedingungen beschrieben, auch an Unglücksfälle wird erinnert. Der Abschied vom Arbeitsplatz, das Ende einer Tätigkeit, die Beendigung von beruflichen Freundschaften und vertrauten kollegialen Beziehungen – dies alles hat einen guten Platz der Erinnerung gefunden – in dieser Barbara-Kapelle.

In meiner Arbeit in der Betriebsseelsorge musste ich schon manche Betriebsschließung miterleben und die betroffenen Beschäftigten begleiten in ihrem Leid und ihrer Trauer über den Verlust eines Stücks Heimat, von menschlichen Beziehungen und eigenen Lebenschancen. An diese Betriebe und ihre Mitarbeiter/innen erinnert oft gar nichts mehr – außer gelegentlich noch einem Straßennamen.

Vielleicht täte in dieser ganz besonderen Form der Trauer gut, ebenfalls eine Kultur der Erinnerung zu entwickeln: Nicht um Wunden zu vertiefen, sondern für eine liebevolle, wohltuende und wertschätzende Erinnerung an all die Menschen, die sich vor uns und für uns in der Welt der Arbeit engagiert haben.

Könnte uns da Paulus nicht ein Vorbild sein, wenn er schreibt: „Ich danke meinem Gott jedes Mal, sooft ich eurer gedenke“ (Phil 1,3)

Martina Berndt-Hoffmann (Betriebsseelsorge Iller-Donau)

02.12.2018 / 49

Eigentlich sollte man meinen das Neue Testament beginnt mit der Geburt Jesu. Doch das Matthäusevangelium, das erste Buch des Neuen Testaments, stellt der Geburt Jesu dessen Stammbaum voran. Eine ellenlange Aneinanderreihung von Namen – 42 Generationen. (Mt 1,1-17) Zur damaligen Zeit gab es jedoch noch keine Standesämter, mit deren Hilfe man Ahnenforschung betreiben und Stammbäume erstellen konnte. Der Stammbaum Jesus, wie ihn Matthäus verfasst hat, ist also nicht historisch zu verstehen. Matthäus war es vielmehr wichtig gleich zu Beginn seines Evangeliums die besondere Bedeutung Jesu darzustellen und zu betonen: Jesus stammt vom großen König David ab und seine Wurzeln reichen sogar noch weiter zurück – bis zu Abraham, dem Stammvater und Urahn des jüdisch-christlichen Glaubens.

Mit seiner Namensliste will Matthäus aufzeigen, dass Gott eine lange Geschichte mit den Menschen hat, eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, mit Verfehlungen und Neuanfängen. Immer wieder geriet so Manches in Unordnung. Und das Ziel dieser Geschichte ist Jesus.
So endet der Stammbaum Jesu bei Josef und Maria. Und im Folgenden schildert Matthäus die Geschehnisse rund um die Geburt Jesu. Als einziger Evangelist erzählt er davon, dass ein Engel Josef beauftragt den Jungen „Immanuel“ (= „Gott ist mit uns“) zu nennen. Letztlich geben Maria und Josef ihrem Sohn den Namen Jesus, dessen Bedeutung, „Gott rettet“, sogar noch eine Steigerung darstellt.

Mit Jesus Christus kommt Gott selbst zur Welt – er der immer schon bei und mit den Menschen ist. Er kommt zum Heil der Menschen, um zu retten „was verloren ist“ (Lk 19,19). Daran möchte Matthäus von Anfang an keinen Zweifel aufkommen lassen.

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

25.11.2018 / 48

„Komm doch endlich zur Besinnung“, so wünschen wir uns das manchmal für Menschen, um die wir uns ehrliche und ernsthafte Sorgen machen. Vielleicht weil wir spüren, dass es uns gut tut, wenn der eigentliche Sinn für das Leben abhanden gekommen ist. Der Advent ist eine jährliche und ernstzunehmende Einladung an den Menschen, nach getaner Arbeit im Verlauf des Jahres, jetzt, in der dunklen Jahreszeit, wieder bei sich anzukommen und sich zu besinnen: Verläuft das eigene Leben noch in guten Bahnen oder ist es gar aus den Fugen geraten? Die dunkle Jahreszeit schafft dazu ein wunderbares Ambiente. Denn jetzt sind wir konfrontiert mit dem, was sich vielleicht unangenehm anfühlt: Begrenzte und mangelnde Sicht, Absterben der Natur, Kälte, Rückzug, Erkältung mit Bettruhe u.v.m.. Es ist eine jahrtausendealte Erfahrung der Menschheit, die sich in etlichen Texten der Bibel wiederfindet: Wo der Mensch den Dunkelheiten und Begrenzungen des Lebens ausweichen will und sich verliert in den Alltagsgeschäften, da wird er irgendwann kläglich scheitern und untergehen (z.B. Lk 12, 13ff). Wo er sich dem aber stellt, da überwindet er die Grenzen des irdischen und bricht durch zum wahren Menschsein. Genau in die dunkle und begrenzte Jahreszeit bricht die Geburt von Gott. Kein Wunder, denn damit zeigt er auf gigantische Weise, dass unsere Dunkelheiten und auch unsere begrenzten Sichtweisen eben nicht das letzte Wort haben!

Wir laden im Advent an jedem Abend ein zur Besinnung. In St. Albert zum Lebendigen Adventskalender. Dazu gibt es einen eigenen Flyer im Pfarrbrief. Und in St. Johann finden Sie vom 30. November bis 20. Dezember jeden Abend (außer montags) von 18 – 20 Uhr weit geöffnete Kirchentüren, die einladen zum Rückzug in die Kirche und zur Besinnung in wunderbarem Ambiente. Kommen Sie zur Oase im Advent.

18.11.2018 / 47

„Tausende von Menschen verlieren angesichts der Waldbrände in Kalifornien Ihre Wohnungen und Häuser.“ Solche und ähnliche Schlagzeilen sind immer wieder in unseren Medien zu finden und führen in der Regel bei uns Lesern zu einer gewissen Betroffenheit, auch wenn sie leider fast schon zur Regel geworden sind und wir uns irgendwie ja bereits scheinbar an Schreckensmeldungen jeglicher Art gewohnt haben. Aber gerade der Verlust der Wohnung, des Hauses und damit ja eigentlich der Heimat führt trotz aller Abgestumpftheit noch immer bei den meisten von uns zu Mitleid und einer gewissen Solidarität mit den Opfern. Dies könnte in jenem Umstand begründet liegen, nach welchem Heimat auch und vielleicht auch gerade für den modernen Menschen noch immer ein ganz wichtiger Begriff darstellt. Heimat bedeutet zunächst Verwurzelung und Identifikation. Sie alle kennen sicherlich die kleinen Trailer im Bayerischen Fernsehen, in welchen sich immer ein anderer Bewohner oder Bewohnerin aus einer bestimmten bayrischen Region kurz vorstellt und dann stets mit der Aussage endet: „…und da bin i dahoim“. Mit diesem abschließenden Statement soll zum Ausdruck gebracht werden, wie sehr sich der Dargestellte mit der eigenen Heimat identifiziert. Heimat bedeutet aber auch Schutz und Sicherheit. Jeder von uns kennt sicherlich das Gefühl, wie gut es tut, wenn man nach einem anstrengenden Tag nach Hause in die eigenen vier Wände kommt. Man fühlt sich geborgen und kann sich so geben, wie man wirklich ist. Dies könnte auch der Grund dafür sein, dass immer mehr Vertreter des politischen Lebens den Begriff der Heimat und damit verbunden, den Schutz dieser zu einem Thema gerade verstärkt zu Zeiten von Wahlkämpfen machen. Mit der Angst vor dem Verlust der eigenen Heimat wird somit auch leider manchmal eine polemische Stimmung angeheizt, da hier einfach zentrale Grundbedürfnisse von uns Menschen entscheidend tangiert werden. Aber was ist denn eigentlich jetzt genau Heimat? Handelt es sich dabei lediglich um einen geographischen Ort, an welchem man geboren wurde und aufgewachsen ist? Können dann Menschen, welche öfters den Wohnort wechseln müssen, dann überhaupt woanders eine neue Heimat finden? In diesem Zusammenhang habe ich einmal einen wunderbaren Ausspruch gelesen: „Heimat ist da, wo die Menschen sind, die man liebt.“ Unter diesen Gesichtspunkt betrachtet, weitet sich der Heimatbegriff in ganz entscheidendem Maße. Somit ist es gar nicht mehr so entscheidend, wo man sich befindet, sondern eher mit wem. Auf diese Weise war es dann auch möglich, dass beispielsweise die vielen tausend Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre alte Heimat verlassen mussten, in der Fremde eine neue Heimat finden konnten. Weil da Menschen waren, die ihnen eine innere Heimat gaben. Eine Heimat des Herzens sozusagen. Und Diese ist ganz unabhängig davon, an welchem Platz auf der Welt ich mich gerade befinde. Mit den richtigen Menschen kann man sich überall „heimisch“ fühlen.

Kaplan Bernd Udo Rochna

11.11.2018 / 46

Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross das trug ihn fort geschwind …“ jeder kennt dieses Lied seit Kindertagen, auch die, die mit Glaube und Kirche nichts am Hut haben.
Und was fällt uns ein zu Sankt Martin, was wissen wir von ihm?! Natürlich ist es diese Begebenheit vor einer Stadt, wo er als Soldat des röm. Heeres die Begegnung mit dem Obdachlosen hat und seinen Mantel mit ihm teilt; im nächtlichen Traum erkennt er Jesus in diesem Bettler; es folgt seine Taufe.
Im Mittelpunkt des Martinsfestes steht die Mantelteilung, und weil es so schön ist, uns anrührt und an diesem Tag meistens kalt ist, gibt’s anschließend noch einen Punsch und eine Martinsbrezel. Jeder bekommt eine, und wenn jeder eine bekommt, ist es schon vorbei mit dem Teilen.

Ist das Teilen den die einzige Botschaft dieses Menschen, und haben wir diesen Heiligen nicht reduziert auf das Teilen? Ist es überhaupt möglich, alles zu teilen und wollten wir das wirklich? Wer von uns würde tatsächlich die Schulden eines anderen mit ihm teilen wollen, eine Krankheit oder wirklich tiefgehende Probleme?

Schauen wir auf den ganzen Martin, nicht „nur“ ein bisschen Martin, nicht „nur“ die Begebenheit vor den Toren. Was im Leben dieses Menschen mächtig ist, ist nicht das Teilen, sondern seine Beziehung zu Christus: „Wie ein Schmied bei seiner Arbeit immer wieder den Hammer schwingt, so betete Martinus ohne Unterbrechung, auch wenn er scheinbar etwas anderes tat …“ (Suplicius Severus)

Es geht um den ganzen Martin! Dann wird aus dem Teilen mehr als ein frommes Spiel. Dann bekommen wir den Blick des Heiligen, der in jedem Notleidenden, den Ruf von Jesus vernahm, weil er in ihm Jesus selbst sah. Dann teilen wir – wenn überhaupt – nicht nur am Martinstag. Und wir erkennen die Not der Menschen, nicht nur der Fernen in Form von Spenden. Als Martin starb, so ist von Suplicius Severus überliefert, soll er hinter einer Säule in seinem Kloster den Teufel gesehen haben; und er soll ihm zugerufen haben: „An mir wirst du nichts finden, du Finsterer.“
„Sankt Martin, Sankt Martin, ritt durch Schnee und Wind, …“ Nicht nur ein bisschen Martin – ganz!

Pfarrer Markus Mattes

04.11.2018 / 45

Das Fest Allerheiligen und der Gedenktag Allerseelen lenken unseren Blick auf die Heiligen, die unsere Fürsprecher bei Gott sind und ein gutes Wort für uns einlegen, wenn wir sie in unseren Anliegen bitten. Sie sind unsere himmlischen Freundinnen und Freunde, deren Hilfe wir uns sicher sein können. Jeder hat einen Heiligen als Namenspatron, zu dem wir eine persönliche Beziehung aufbauen können. Unser Diözesanbischof Konrad Zdarsa sagte bei diesjährigem Ulrichsfest: „Die Heiligen… lenken unseren Blick auf den Himmel und zugleich darauf, was das für unseren  irdischen Alltag und unseren konkreten Umgang miteinander bedeutet“. „Heilige sind Menschen, durch die das Licht Gottes scheint.“ So sagt es ein Sprichwort. Durch ihr Leben haben die Heiligen ein ausdrucksstarkes Zeugnis gegeben von Gottes Liebe zu allen Menschen.

Papst Franziskus hat während einer seiner Audienzen ebenso ein paar Gedanken dazu geäußert: „In jedem Moment unseres Lebens stehe uns nicht nur Gottes Hand bei, wir erfahren auch die diskrete Gegenwart und die Hilfe der Heiligen. Wir hätten „eine Wolke von Zeugen“ um uns, wie der heilige Paulus im Hebräerbrief sagt. Ihre Anwesenheit schenke uns die Zuversicht, dass ein christliches Leben nicht ein unerreichbares Ideal sei. Daher „erbitten wir die Fürsprache der Heiligen“.

Die Heiligkeit sei das große Geschenk, das wir unseren Mitmenschen erweisen können. Der Herr gebe uns die Gnade, so fest an ihn zu glauben, dass wir für die Welt zu Abbildern Christi werden: zu Menschen, die keine Macht und Herrschaft ausübten, sondern nach Nächstenliebe und Brüderlichkeit strebten und auch die Last und die Mühen der Bedürftigen und Leidgeprüften mittragen: ohne solche Männer und Frauen „gäbe es in der Welt keine Hoffnung“.

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

28.10.2018 / 44

Nun ist sie wieder da, die dunkle Zeit. Mit dem letzten Oktoberwochenende kehrt die Winterzeit zurück, die Herbstnebel nehmen die Donauregion immer mehr in Beschlag und dann kommt zu Beginn des Novembers der Allerseelentag, an dem wir in besonderer Weise unserer Verstorbener gedenken.

Der Gang auf den Friedhof fällt vielen nicht leicht, weil der Verlust eines lieben Verstorbenen noch schmerzt oder weil Friedhöfe für sie einfach nur Orte der Trauer und des Todes sind.

Bei genauerem Hinsehen kann man jedoch feststellen, dass Friedhöfe auch Orte der Hoffnung sind – Orte der Hoffnung auf ewiges Leben bei Gott. Zahlreiche christliche Gräber zeugen davon durch die Inschriften und Symbole auf den Grabsteinen oder durch die Blumen, mit denen sie geschmückt sind. Blumen sind Zeichen des Lebens, genauso wie die Lichter, die auf den Gräbern leuchten. Sie wollen uns daran erinnern, dass Jesus die Dunkelheit des Todes besiegt und auch uns ewiges Leben beim Vater zugesagt hat.

Auf Südtiroler Friedhöfen wird diese Zuversicht auf ganz eindrucksvolle Weise zum Ausdruck gebracht. Am Abend des Allerseelentages zünden die Menschen auf den Gräbern ihrer Verstorbenen viele Kerzen an und tauchen damit den nächtlichen Friedhof in ein warmes Lichtermeer. Zumindest in dieser Nacht ist dort keine Spur von Unbehaglichkeit zu finden. Die Lichter wollen den Besuchern förmlich das Jesuswort ins Herz brennen: „Ich lebe weil auch ihr leben werdet.“ (Joh 14,19)

Ihr Diakon Andreas Thalhofer

21.10.2018 / 43

Jugendsynode 3. – 28. Oktober 2018 in Rom. In diesen Tagen tagt in Rom die XV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode und beschäftigt sich mit dem Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“.

Insgesamt nehmen an der Synode 267 Bischöfe, 23 externe Fachleute und 49 Gasthörer teil. Die Mehrheit von diesen sogenannten Auditores ist zwischen 18 und 29 Jahren alt, Frauen machen etwa die Hälfte aus. Das Thema Jugend liegt unserem Papst sehr am Herzen. Beim Weltjugendtag in Krakau 2016 fragte er die Jugendlichen immer wieder: „Können sich die Dinge ändern?“ Und jedes Mal riefen zigtausende Jugendliche dem Papst ein lautes „JA!“ entgegen. Dieses Erlebnis griff Papst Franziskus in einem Brief auf, den er im Vorfeld der Jugendsynode veröffentlicht hat. In diesem Brief an die Jugendlichen, und damit meinte er die ca. 16 – 29jährigen, wollte er die Jugendlichen ins „Zentrum des Interesses“ rücken. Er schreibt: „Dieser Schrei entspringt Eurem jugendlichen Herzen, das die Ungerechtigkeit nicht erträgt und sich nicht der Wegwerfkultur beugen will, noch der Globalisierung der Gleichgültigkeit das Feld überlassen will. Hört auf diesen Schrei, der aus Eurem Inneren aufsteigt!“

Die nun stattfindende Jugendsynode hat schon einen Weg hinter sich, denn parallel zum Brief erschien ein Vorbereitungsdokument, indem die Themen der Synode konkret werden sollten. Außerdem war dem Dokument ein Fragebogen an alle Jugendlichen beigefügt. Junge Menschen aus der ganzen Welt, Katholische wie Nicht-Katholische, waren zu einer Vor-Synode vom 19. bis zum 24. März 2018 eingeladen. Nach einwöchigen Beratungen hatten die rund 300 jungen Teilnehmer aus allen Kontinenten, darunter Nichtglaubende und Angehörige anderer Religionen, ein Papier verabschiedet. Papst Franziskus wollte dort hören, was junge Leute über das Leben und den Glauben denken. Während die Delegierten in Rom bei der Vorsynode diskutiert haben, konnten junge Menschen digital ihre Meinung äußern. Eingeladen waren dazu alle jungen Menschen zwischen 16 und 29 Jahren. Gestellt wurden die gleichen 300 Fragen wie bei der Vorsynode in Rom. An den Umfragen nahmen laut Vatikan 221.000 Personen teil, mehr als die Hälfte davon aus Europa. Ein zentrales Anliegen der Synode ist es, alle Jugendlichen im Blick zu haben. Neu im Blick sind Mädchen, die ihre Jugend unter besonders prekären Bedingungen zu gestalten haben. Im Fokus stehen aber die Schwierigkeiten und Herausforderungen der Jugendphase, mit einigen spannenden Beobachtungen: auf die erhöhte Komplexität, Schnelligkeit der Veränderungen, das damit verbundene Anwachsen der Unsicherheit, die „wissenschaftliche“ Kultur, Technisierung oder die kulturelle und religiöse Pluralisierung wird in der Beschreibung des gesellschaftlichen Wandels besonders eingegangen.

Im Abschlussdokument der Vorsynode lesen wir: „Junge Menschen sind betroffen von und befassen sich mit Themen wie Sexualität, Sucht, gescheiterte Ehen, zerbrochene Familien wie auch größere gesellschaftlichen Problemen wie organisierter Kriminalität, Menschenhandel, Gewalt, Korruption, Ausbeutung, Frauenmord, allen Formen von Verfolgung sowie Umweltzerstörung“. Sie „sind es gewohnt, Verschiedenheit als Reichtum zu erkennen“ und erwarten von der Kirche, dass sie sich „in einer pluralistischen Welt (…) für Toleranz und Dialog“ einsetzt. Sie „sehnen sich nach einer Kirche, die eine lebendige Zeugin dessen ist, was sie lehrt“. An die Hierarchie appelliert die Jugend: „Seid offen, ehrlich, einladend, kommunikativ, zugänglich, freudig und eine Gemeinschaft im Austausch. Eine glaubwürdige Kirche hat keine Angst als verletzlich zu gelten.“

Ilona Thalhofer

14.10.2018 / 42

Jetzt stellen Sie sich doch einmal folgende Situation vor: Ein Wartezimmer in einer Arztpraxis. Eine Räumlichkeit wie wir sie sicherlich alle schon einmal aufgesucht haben. Zwei Personen befinden sich darin und es entsteht der hier beschriebene Dialog: „Guten Tag. Wie geht es Ihnen denn so?“ „ Hervorragend! Könnte gar nicht besser gehen und vor allem gesundheitlich bin ich in bester Form. Und bei Ihnen?“ „Alles wunderbar! Kerngesund bis in die letzte Körperzelle! Aber schauen Sie mal da zur Tür. Wer kommt denn da rein. Der sieht aber gar nicht gut aus. Der wird doch nicht etwa krank sein? Dann soll er lieber schnell wieder gehen. Den können wir hier nicht brauchen.“ „Genau. Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Ein Kranker in einer Arztpraxis. Das geht ja gar nicht? Was bildet der sich eigentlich ein?“ Eine sehr groteske und äußerst unglaubwürdige Unterhaltung, werden Sie jetzt zu Recht denken. Kehrt sie doch mehr oder weniger die reellen Umstände in ihr Gegenteil um. Denn normalerweise suchen ja gerade kranke Menschen den Arzt auf und nicht die Gesunden. Und diese würden sich somit auch nicht beschweren, wenn eine sichtbar erkrankte Person ein Wartezimmer betritt. Aber verhält es sich denn nicht gerade bei uns in den Pfarrgemeinden oft ganz ähnlich?

Jesus sagt an mehreren Stellen im Evangelium, dass die Kranken den Arzt benötigen und nicht die Gesunden. Im übertragenen Sinne sind damit die Sünder gemeint, welche einer Erlösung durch ihn in ganz besonderer Weise bedürftig sind. So die Botschaft Jesu. Und wie verhalten wir uns häufig? Ist es nicht so, dass wir Menschen, welche nicht dem klassischen, kirchennahen Milieu entstammen, eher sehr skeptisch oder gar misstrauisch begegnen? Da betritt beispielsweise ein Obdachloser während einer Heiligen Messfeier die Kirche und möchte am Gottesdienst teilnehmen. Wenn man die nun folgenden Blicke genau beobachtet, dann spiegeln diese leider häufig Missachtung und Ablehnung wieder und man kann in dem einen oder anderen Gesicht förmlich Gedanken ablesen wie „Was will jetzt der da?“ oder „Merkt der nicht, dass er stört?“ Ähnlich wie in der eingangs beschriebenen Szene von der fiktiven Arztpraxis. Menschen, welchen es nicht gut geht und gerade deshalb die Nähe zu Gott suchen, lösen bei uns immer wieder ein Gefühl des Unbehagens aus, weil sie uns meist aus unserem gewohnten und so schön eingerichtetem Umfeld herausholen und uns mit einer anderen Art von Wirklichkeit konfrontieren. Deshalb sollten wir eben nicht wegsehen oder gar abweisend reagieren, sondern den Betroffenen stets das Gefühl vermitteln, dass sie willkommen sind und mit ihren Sorgen und Nöten ernst genommen werden. Denn hier trifft wohl in ganz entscheidendem Maße eine der wichtigsten Botschaften Jesu an uns zu: Was ihr den Geringsten meiner Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan!“ Und eins wissen wir nie: Bei welcher Türe im Wartezimmer wir das nächste Mal hereinkommen werden…

Kaplan Bernd Udo Rochna

07.10.2018 / 41

Sechsmal „Vater unser“, Dreiundfünzigmal „Gegrüßet seist du Maria“ – ist das nicht ein langweiliges Beten? Viele mögen beim Rosenkranz zuerst an Langeweile und ständige Wiederholung denken. Aber ist unser Herzschlag, das Atemholen nicht auch etwas Langweiliges? Trägt das aber nicht unser Leben? Und der Wechsel von Tag und Nacht, das Kreisen der Jahreszeiten?

In Jesus Christus hat Gottes Zuneigung zu uns Menschen Hand und Fuß angenommen. Und wird uns nicht gerade diese Liebe im Rosenkranz vor Augen geführt! Unsere Gedanken kreisen in den Rosenkranzgeheimnissen um den Weg Gottes in Christus zu uns Menschen: Sein Weg von der Empfängnis im Schoß Mariens, sein Leben in dieser Welt, sein Leiden, sein Sterben bis hin zur Auferstehung und zur Verherrlichung beim Vater. Und vor uns stehen, wenn die Perlen durch die Finger gehen, Menschen, die den Weg Gottes mitgegangen sind: Maria, Josef, Elisabeth und andere biblische Gestalten.

Der Rosenkranz ist ein anschauliches Beten. Es ziehen biblische Bilder an uns vorüber, wir können Ruhe finden im göttlichen Bereich. Er möchte eine schlichte Form des meditativen Gebetes sein. Ich muss nicht viel nachdenken, im einfachen Sprechen der Kerngebete unseres Glaubens (Vater unser, Glaubensbekenntnis, Ave Maria) haben wir Gottes Weg und seine Liebe vor Augen.

Die Bedeutung bzw. der Hintergrund für die besondere Bedeutung des Rosenkranzes im Oktober geht auf die Seeschlacht bei Lepanto 1541 zurück. Damals hat Papst Dominik V die christliche Liga zum besonderen Fürbittgebet durch den Rosenkranz anvertraut.

Den Rosenkranz kann ich eigentlich überall beten: zu Hause, im Krankenzimmer, bei Spazierengehen, im Auto, …, den ganzen Rosenkranz oder nur ein paar Perlen.

Wir beten Rosenkranz am Dienstag, Mittwoch, Freitag um 17 Uhr und am Donnerstag um 18.15 Uhr und Samstag, um 17.15 Uhr in St. Johann, in St. Mammas Mittwoch 18.30 Uhr und in Hl. Kreuz am Freitag um 18 Uhr.

Ihr Pfarrer Markus Mattes

30.09.2018 / 40

Wir in unserer Pfarreiengemeinschaft haben Grund zu danken und zu feiern. Wir wollen die feierlich geschmückten   Erntealtäre mit Gaben schmücken, die SIE nach Möglichkeit mitbringen – und dann gesegnet wieder nach Hause mitnehmen können. Bei den meisten von uns waren Kühlschrank und Tisch auch dieses Jahr reichlich gefüllt mit guten Gaben. Erntedank begehen wir in der richtigen Weise, wenn dabei das Teilen und Geben im Vordergrund steht. Dank sagen wir Gott vor allem dadurch, dass wir unseren Besitz nicht nur als unser alleiniges Eigentum betrachten, sondern als Geschenk, das wir mit Bedürftigen teilen können. Das ist die Botschaft vom Erntedankfest, die wir in der Bibel nachlesen können.

Erntedank-Altar in St. Mammas

Sag einfach danke, …
dass Gott dich in seiner Liebe ins Leben gerufen hat
dass Gott dich wunderbar erschaffen hat
dass deine Eltern dir das Leben geschenkt haben
dass du durch deine Taufe als Kind Gottes lebst
dass dich durch die Firmung Gottes Geist erfüllt
dass du durch die Eucharistie vom Heiland lebst
dass dir die Versöhnung neuen Lebensatem schenkt
dass Jesus alle Tage deines Lebens bei dir ist
dass der Glaube dein Leben trägt
dass dein Leben ein wunderbares Geschenk ist.
Benedikt Leitmayr osfs

Ein gesegnetes Erntedankfest und eine gesegnete Herbstzeit wünscht Ihnen

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Weiss

23.09.2018 / 39

Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich täglich an einem Wahlplakat vorbei mit der Aufschrift „Mut geben statt Angst machen“. Und ich denke mir, dies ist doch das Gebot der Stunde. So viele Unsicherheiten und Ängste beherrschen gerade zahlreiche Menschen in unserem Land. Und andere schüren diese Ängste zu ihrem eigenen Vorteil weiter.

Aber auch in unserer Kirche scheint es angebracht Mut zu machen angesichts der nicht enden wollenden Missbrauchsskandale, die nach wie vor ans Licht gebracht werden. Jede einzelne Tat – sei sie sexuell oder gewalttätig motiviert – ist eine Sünde, ein Skandal, ein Verrat, eine offene Wunde – wie Papst Franziskus sie bezeichnet.

Bei der Aufklärung und im Umgang mit den Missbräuchen hat die Kirche Fehler begangen und begeht nach wie vor Fehler. Und deshalb wenden sich Menschen von der Kirche ab – enttäuscht, wütend und verletzt. Nicht selten bekommen Gemeindemitglieder, die nach wie vor in der Kirche engagiert sind, die ganze Wucht des verständlichen Unmuts ab und müssen sich rechtfertigen, warum sie immer noch dabei bleiben, bei „diesem Verein“.

All jenen möchte ich Mut zusprechen. Nichts liegt mir dabei ferner als Dinge schönzureden, schon gar nicht Missbräuche! Ich möchte lediglich erklären, warum ich dabei bin, in dieser Kirche, an der auch ich immer wieder leide:
Ich habe das große Glück, dass ich Kirche von klein auf als Heimat erleben durfte. Gut kann ich mich daran erinnern, wie ich als kleiner Junge bei den Familiengottesdiensten am liebsten ganz vorne in den Kinderbänken saß, die es damals in der Weißenhorner Stadtpfarrkirche noch gab. Viel Zeit meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich in der KJG. Hier schloss ich Freundschaften, die zum Teil heute noch andauern, hier machte ich wichtige Erfahrungen für mein Leben und hier wurden – wenn auch unbewusst – die Weichen dafür gestellt, dass ich später in den kirchlichen Dienst gehen würde. Daran hatten vor allem die beiden Pfarrer Anteil, die ich als Kind und Jugendlicher erleben durfte. Das Pfarrhaus erlebte ich als einen Ort, an dem man stets willkommen war, was nicht zuletzt auch an der Herzlichkeit der Haushälterin lag.

In meiner Heimatgemeinde hatte ich das Gefühl, dass es gut ist, dass ich da bin, dass ich meinen Platz habe und ein Teil des Ganzen sein kann. Ich durfte in der Kirche Heimat und Geborgenheit erfahren – auch später in der Hochschulgemeinde während des Studiums. Dies war ein Grund, weshalb ich mich entschloss in den Kirchlichen Dienst zu gehen. Ich wollte, nachdem ich so viel Gutes erfahren durfte, etwas davon auch an andere Menschen weitergeben. Mein ureigener Grund ist jedoch, dass es die Kirche Jesu Christi ist. Er ruft uns in seine Nachfolge. Er ist der Weinstock und wir sind die Reben. Getrennt von ihm können wir nichts vollbringen. (vgl. Joh 15,5)

Sie, die Sie diese Zeilen lesen und Teil dieser Kirche sind, haben Ihre eigenen Gründe weshalb Sie da sind. Und ich bin mir sicher, Sie haben auch Ihre Gründe dafür, was Sie an der Kirche zweifeln lässt. Es ist gut, dass Sie da sind, denn nur gemeinsam können wir am Reich Gottes bauen – bei Weitem nicht perfekt, sondern immer auch fehler- und bruchstückhaft. Dies war schon klar, als Jesus Simon Petrus zum Felsen seiner Kirche machte.

Missbrauch wurde zu einer traurige Realität in unserer Kirche. Doch Kirche ist mehr, muss mehr sein. Wir alle sind nötig um der Kirche das Gesicht und die Gestalt zu geben, die Jesus ihr zugedacht hat. Ich bin dankbar für das Gute, das ich durch diese Kirche erfahren durfte, wohlwissend, dass andere an und unter dieser Kirche leiden, weil sie schmerzlich am eigenen Leib erleben mussten wie Menschen ihr Amt missbrauchen. Die Täter haben sich innerlich längst vom Weinstock losgesagt, auch wenn Sie sich nach außen einen ganz anderen Anschein geben.

Seien Sie gewiss, uns Hauptamtliche der Pfarreiengemeinschaft Neu-Ulm lassen all die Missbräuche nicht kalt und auch wir verurteilen diese Taten. Und wir sind offen, wenn Ihnen diesbezüglich etwas schwer auf dem Herzen lastet.

Ihr Diakon Andreas Thalhofer